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Denkmalgeschütztes Kioskgebäude Ein Stück altes Delmenhorst bleibt erhalten

Von Marco Julius | 25.07.2017, 18:35 Uhr

Jahrzehntelang ist der markante Rundbau an der Bremer Straße 76 als Kiosk genutzt worden. Mittlerweile befindet sich in dem denkmalgeschützten Haus ein kleines Büro.

Dort, wo viele Delmenhorster einst ihre bunten Tüten oder das Feierabendbier einkauften, im Kiosk an der Bremer Straße 76, da geht zwar keine Ware mehr durchs Fenster – mit Leben gefüllt ist der markante Rundbau aber längst wieder. Und das ist keine Selbstverständlichkeit.

„Im Jahre 2008 gab es sogar bereits Bestrebungen zum Abbruch“, berichtet Maike Stürmer-Raudszus für den städtischen Fachdienst Bauordnung. Der Kiosk hatte da bereits geschlossen – und das Gebäude stand lange leer. Eine Nachnutzung für das kleine Haus mit Keller, das als „Ikone des Konsums“ und „urbane Institution“ bereits im Mittelpunkt wissenschaftlicher Forschungen stand, steht aber noch immer da – und es ist ein Blickfang.

Dauerhafte Lösung gefunden

Das ist auch der Familie Dinc zu verdanken. Sie hat das Gebäude erworben. Idris Dinc ist Inhaber der Firma Dinc Reinigungsservice, für die auch sein Bruder Hasan und dessen Frau Semiha arbeiten. In der Stadtverwaltung ist man froh, dass das Gebäude „denkmalverträglich genutzt und gepflegt“ wird. Zwar heißt es seitens der Unteren Denkmalbehörde, es wäre wünschenswert gewesen, den Rundbau weiter als Kiosk zu nutzen. Schließlich galt Delmenhorst noch vor nicht allzu langer Zeit als Stadt mit der zweithöchsten Kioskdichte pro Einwohner, nur Dortmund hatte noch mehr. Das Betreiben eines Kiosks habe sich für potentielle Interessenten aber an der Stelle wohl nicht gerechnet, sagt die Verwaltung. „Auch wenn es sich bei der vorgesehenen Nutzung nicht um eine Kiosknutzung im ursprünglichen Sinne handelt, ist die Untere Denkmalschutzbehörde froh, eine dauerhafte Lösung gefunden zu haben, die Rücksicht auf das Gebäude nimmt“, betont Maike Stürmer-Raudszus.

„Langweilig ist es hier nie“

Familie Dinc hingegen ist froh, in einem besonderen Haus untergekommen zu sein. Zunächst nutzte die Firma das Gebäude als Materiallager. Mittlerweile ist es zu einem Büroraum umgebaut worden. Das zentral gelegene kleine Haus bietet durch die Fenster einen Blick auf die große Kreuzung vor Inkoop. „Langweilig ist es hier nie“, sagt Semiha Dinc. Auch Hasan Dinc freut sich jedes Mal, wenn er das besondere Gebäude betritt. Sicher, die Sache mit dem Denkmalschutz sei nicht immer leicht. Für Veränderungen am Haus brauche es Genehmigungen, vieles sei von vornherein ausgeschlossen. Das prägende Bild des Hauses müsse eben erhalten bleiben. Und so wird sich auch die Firmenwerbung, die in Kürze außen angebracht werden soll, an der ursprünglichen Kiosk-Werbung orientieren.

Firma wächst kontinuierlich

Die Firma Dinc ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. 36 Mitarbeiter sind mittlerweile im Familienunternehmen, das 2011 gegründet wurde, beschäftigt. Der Reinigungsservice wird von privaten sowie gewerblichen Kunden und der Industrie unter anderem in Delmenhorst. Ganderkesee, Bremen und Oldenburg in Anspruch genommen. Glas-, Unterhalts- und Bauendreinigung, die Reinigung von Büroräumen, Privathaushalten und Treppenhäusern gehören zum Leistungsspektrum.

In dem markanten Rundbau an der Bremer Straße will man aber auch dann bleiben, wenn die Firma, wie erhofft, weiter wachse. „Das Haus ist eben besonders. Wir mögen es einfach“, sagt Semiha Dinc. Und so bleibt auch den Delmenhorstern zumindest optisch die Erinnerung an „ihren“ Kiosk.