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Hospizverein Delmenhorst Trauernde sollen an einem Strang ziehen

Von Niklas Golitschek | 13.10.2019, 21:12 Uhr

Zum Welthospiztag informierte der Hospizdienst Delmenhorst in der Innenstadt über seine Arbeit und warb um neue Mitglieder. Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag stattete dem Stand einen Besuch ab.

Rosen für das Leben: Der Hospizdienst Delmenhorst hat am Samstagvormittag rund 60 Blumen verteilt, um damit auf sein Anliegen aufmerksam zu machen. Mit einem Infostand in der Innenstadt bewarb der Verein zum Welthospiztag seine Arbeit und warb gleichzeitig um helfende Hände.

Denn die Arbeit des Hospizdienstes wird immer häufiger in Anspruch genommen, betonte Koordinatorin Martina Meinken. „Im Jahr 2015 hatten wir 22 Begleitungen, in diesem Jahr schon fast 40. Wir rechnen damit, dass sich die Zahl verdoppelt“, sagte sie. Für den Verein bedeute das auch, dass mehr Ehrenamtliche notwendig seien, um die Aufgaben fortzusetzen. Rund 50 Menschen engagieren sich laut Meinken im Delmenhorster Hospizdienst, zehn packten über den Vormittag verteilt beim Infostand mit an.

Vom Trauernden zum Trauerbegleiter

Wie wichtig die Arbeit des Vereins ist, hat Fred Schlese im Jahr 2011 nach einem Todesfall erlebt. „Das Trauercafé danach hat mir sehr geholfen. Ich habe mich aufgehoben und verstanden gefühlt“, umriss er. Als Schlese diese schwierige Zeit dann überwunden hatte, beschloss er, selbst für den Hospizdienst als Trauerbegleiter aktiv zu werden. „Die Arbeit ist von Mensch zu Mensch am Lebensende“, umriss Arthur Meinken.

Doch die Aktion oder viel mehr die Gespräche haben bei Martina Meinken und dem Team des Hospizdienstes auch so manche Verwunderung ausgelöst: „Es ist erstaunlich, dass immer noch so große Verwirrung herrscht. Wir sind seit 25 Jahren in Delmenhorst und manche denken, dass wir aus Ganderkesee kämen.“ Auch hätten einige die Palliativstation im Krankenhaus, den Hospizdienst, das stationäre Hospiz in Falkenburg sowie den Palliativstützpunkt verwechselt. Doch viele Gespräche seien auch sehr positiv verlaufen, merkte Ilse Grüttner vom Vorstand des Hospizdienstes an. „Die Leute haben sich für unsere Arbeit interessiert und teils auch Interesse signalisiert, sich selbst zu engagieren.“ Den ein oder anderen hofft sie, auf dem Infoabend am 16. Januar 2020 um 18 Uhr in den Räumen des Hospizdienstes an der Mühlenstraße 112 zu treffen. Dann will der Verein über den Qualifikationskurs zum Hospizbegleiter informieren, der ab kommenden Februar stattfinden soll.

Gesetz auf dem Prüfstand

Für ein Gespräch kam auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag zum Infostand. „Die ehrenamtliche Arbeit ist absolut wichtig“, betonte sie. Die Hospizarbeit genieße überall einen hohen Stellenwert. Den soll er im kommenden Jahr auch weiter formal erhalten, wenn das Hospiz- und Palliativgesetz evaluiert wird. Martina Meinken und ihr Team wünschen sich, dass die Trauerbegleitung der Angehörigen nach dem Todesfall dort festgehalten wird. Zudem hoffen sie auf mehr Zuschüsse von staatlicher Seite, um die rund 2500 Euro kostende Fortbildung zu finanzieren. Die Sterbebegleitung sei da mit 390 Euro wesentlich günstiger, doch für einen spendenfinanzierten Verein immer noch ein „Batzen“, wie Meinken sagte. „Die Hospizdienste müssen sich zusammenschließen“, warb Mittag um ein breites Bündnis, das an einem Strang zieht. Ziel sei schließlich das Gesetz zu verbessern – „durch Anregungen von Praktikern aus der Basis“.