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Der letzte Delmenhorster Graf Als Delmenhorst von fremden Söldnern heimgesucht wurde

Von Paul Wilhelm Glöckner | 04.05.2019, 12:45 Uhr

Er war der letzte eigene Delmenhorster Herrscher, der in der Delmestadt residierte und regierte: Graf Christian IX., der von 1612 bis 1647 lebte. Mit seinem Tod endete die jüngere Linie der Grafen von Delmenhorst, deren Regentschaft von 1577 bis 1647 datiert wird.

Nach dem Tode seiner Mutter, der Gräfin Sibylla Elisabeth, im Jahre 1630 übernahm Christian drei Jahre später, als er 21 Jahre alt geworden war, die Regierung über die kleine Grafschaft. Deren Lage war schwer, denn man befand sich mitten im Dreißigjährigen Krieg und Christian hatte zudem zunächst Erbauseinandersetzungen mit seinem Vetter Anton Günther von Oldenburg zu überstehen.

100.000 Taler zur Entschädigung

Nach Vermittlung des Herzogs August von Braunschweig einigte man sich schließlich. Christian erhielt außer der von seinem Vater Anton II. auf ihn vererbten Grafschaft Delmenhorst nun auch das Land Wührden, die halben Zolleinkünfte von Huntebrück sowie eine reichliche Geldentschädigung von etwa 100.000 Talern. Damit war eine alte Forderung der Delmenhorster Linie an die Oldenburger, die auf eine „arithmetische Teilung“ des ehemaligen Gesamtgebietes abzielte, erfüllt worden.

Beim Kaiser vorstellig geworden

Deshalb war man von Delmenhorst aus auch beim Kaiser in Wien vorstellig geworden und hatte in seinen Ansprüchen von dort her sogar Unterstützung erfahren. Allerdings waren die Gebiete Butjadingen und das Stadland von dieser Regelung ausgenommen worden. Sie galten nun als gemeinsamer Besitz, wurden aber von Oldenburg verwaltet.

Einquartierungen waren drückende Last

In jenen schrecklichen Jahren ist Delmenhorst mehrfach von fremden Soldaten heimgesucht worden. Diese Einquartierungen waren damals für die Einwohner eine drückende Last. Die Söldner hielten kaum Disziplin und huldigten dem Grundsatz „der Krieg muss den Krieg ernähren“, sodass niemand vor Übergriffen auf sein Eigentum geschützt war. Ein Mittel dagegen war die Zahlung von Abstandssummen oder die Abgabe von Versorgungsgütern.

Hilfe vom Oldenburger Cousin

Vor allem seinem Cousin Anton Günther hatte Graf Christian es zu verdanken, dass es in Delmenhorst bei einigen Einquartierungen geblieben ist. Der Oldenburger verstand es sehr gut, mit den Kriegsparteien zu verhandeln und konnte so auch seine Verwandten oft aus den Wirren heraushalten.

Von schwedischer Soldateska besetzt

Doch ist das auch nicht immer gelungen. So besetzte im Jahre 1635 eine schwedische Truppenabteilung Delmenhorst. Diese hatte vorher Wildeshausen besetzt gehalten, war von dort aber von kaiserlichen Soldaten vertrieben worden. Erst nach langen Verhandlungen unter Einschaltung des dänischen Königs gelang es im folgenden Jahr, den Abzug dieser Soldateska zu erreichen. Hierfür ist allerdings die Zahlung einiger tausend Taler erforderlich gewesen.

Fremde Truppen gaben sich unwissend

Doch auch im folgenden Jahr plünderten die Schweden in den Dörfern um die Stadt herum immer noch. Dabei gaben die fremden Truppen vor, nicht zu wissen, „dass Delmenhorst und Oldenburg ein Haus seien“, also von einer Familie regiert würden, mit der man vertragliche Abmachungen einzuhalten hatte.

Christian IX. starb kinderlos

Als Graf Christian IX. am 23. Mai 1647 kinderlos starb, fiel die Grafschaft wieder an Oldenburg zurück. Er selbst liegt in einem Zinnsarg in der Delmenhorster Grafengruft begraben. Auf seinem Sarg findet man folgende Inschrift: „Der durchlauchtigste und hochgeborene Graf und Herr: Herr Christian, Graf zu Oldenburg und Delmenhorst, Herr zu Jever und Kniphausen, Fürst des Reiches. Soweit er unter die Sterblichen begraben werden konnte, liegt er hier.“