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Deutsch-griechische Geschichte Delmenhorster Verein will an Massaker erinnern

Von Dirk Hamm | 02.12.2015, 16:23 Uhr

An ein dunkles Kapitel deutsch-griechischer Geschichte möchte der Verein Dialogos erinnern. Dazu wird gerade eine deutsche Fassung eines Buches über die Massaker von 1944 erarbeitet.

Mehr als 500 Menschen sind am 23. April 1944 in den nordgriechischen Bergdörfern Pirgi und Mesovouno bei einem Massaker deutscher Besatzungstruppen ermordet worden – Kleinkinder ebenso wie Alte. Um die Erinnerung daran wachzuhalten, haben Mitglieder des griechisch-deutschen Kulturvereins für Delmenhorst und Umgebung Dialogos im April 2014 vor Ort Gedenktafeln aufgestellt und Friedensbäume gepflanzt. Derzeit arbeitet der Verein an einer Übersetzung eines Buches griechischer Wissenschaftler über das Massaker. Denn in Deutschland sei das Geschehen „weitgehend unbekannt“, sagt Dialogos-Vorsitzender Trifon Kechagias.

Zeitzeugen befragt und Akten studiert

Die 2010 vorgelegte Schrift hält den griechischen Kenntnisstand über die deutschen Verbrechen in den Dörfern laut Kechagias auf mehr als 100 Seiten fest. Dazu seien noch lebende Zeitzeugen befragt und deutsche sowie griechische Akten studiert worden. Eine erste deutsche Textfassung sei von den Vereinsmitgliedern Hartmut Puntigam und Heinz Schottel erarbeitet worden. Dank einer Förderspende von 500 Euro des Vereins der Bundestagsfraktion Die Linke könne jetzt auch an einer „professionellen Endübersetzung des wichtigen historischen Werks“ gearbeitet werden, die „möglichst im Frühjahr 2016“ herauskommen soll.

Juristische Fragen um deutsche Buchausgabe geklärt

Kürzlich haben Trifon Kechagias und sein Vorstandskollege Helmuth Riewe im Rathaus des Bezirks Ptolemaida, zu dem die Dörfer Pirgi und Mesovouno gehören, einen Vertrag mit lokalen Vertretern abgeschlossen. Darin ist nach Angaben des Dialogos-Vorsitzenden „juristisch einwandfrei geklärt“, dass Dialogos eine deutsche Übersetzung des Buches über die Massaker von 1944 in den kommenden zehn Jahren verbreiten kann, ohne die Rechte der Autoren und der auftraggebenden Stadt Ptolemaida zu verletzen.