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Die berührende Poesie des Alltags Intimes Konzert mit Felix Meyer in der Divarena

05.12.2016, 13:23 Uhr

Besinnlich ging es am Samstag in der Divarena zu. Felix Meyer und Erik Manouz waren zu Gast und zeigten vor kleinem Publikum was die „Weihnachtszeit auf den Straßen“ bedeutet.

Mit nur 35 Gästen mutet die Atmosphäre im Foyer der Divarena gemütlich und heimelig an. Die Stimmung ist familiär, die Bühne ist mit Teppichen, alten Landkarten und verschlissenen Koffern geschmückt. In der Ecke steht ein alter Globus, passend zum Straßenmusiker Felix Meyer, der seit mehr als 17 Jahren auf den Flaniermeilen Europas musiziert. Begleitet wird er an diesem Abend von seinem Gitarristen Erik Manouz, mit dem er momentan durch die Kleinstädte des Landes tourt.

Publikum wird eingebunden

Am Samstag führte diese Tour nach Delmenhorst. Das Konzert trägt den Titel „Weihnachtszeit auf den Straßen“ und passend zum Thema wird der Abend besinnlich. Der Liedermacher spielt neben seinen eigenen Liedern auch Stücke von Rio Reiser, oder spanische und französische Songs, die er ins Deutsche übersetzt hat. Immer wieder teilt Meyer seine innersten Gedanken mit dem Publikum, spricht die weltweite politische Lage an oder erklärt seine Selbstzweifel als Musiker. Er trägt Gedichte vor und lädt das Publikum zum Gespräch ein. „Als Straßenmusiker sind wir Fragen gewöhnt“, erklärt Meyer. Die Zuhörer sind ein wichtiger Bestandteil des Abends, sie sollen als Chor mitsingen oder durch schnipsen den Rhythmus der Lieder unterstützen. „Das ist das Schöne an Konzerten in kleinen Räumen, da seid ihr nicht mehr die da unten und wir die da oben auf der Bühne“, findet Meyer.

Poetische Texte von Gitarre unterstrichen

Das Zwischenmenschliche, die Liebe und das Unterwegssein sind Themen, die in den Liedern wiederkehren. Diese Aspekte des Lebens holt der Sänger ins Alltägliche, indem er Beobachtungen und Begegnungen schildert. Die poetischen Texte entfalten ihre ganze Kraft durch die ruhigen und melancholischen oder schnellen und rhythmischen Gitarrenklänge von Erik Manouz. Manouz, der der musikalische Kopf des Duos sei, so Meyer, spielt auch eigene Lieder seines neuen Albums und zeigt sich ebenfalls als nachdenklicher Texter.

Stierkampf aus der Sicht des Tieres

Einige Songs gehen unter die Haut und regen zum Nachdenken an. So auch „Die Corrida“, die Meyer aus dem Spanischen ins Deutsche übersetzt hat. In dem Lied geht es um den Stierkampf aus der Sicht des Tieres, der dem Tod wehrlos gegenübersteht. Als Musiker habe er sich schon oft gefragt, ob er durch seine Kunst etwas an dem Verhalten der Menschen ändern könne und ob er nicht lieber einen anderen Beruf hätte ergreifen sollen. Doch dann würde er immer wieder zu dem Entschluss gelangen, dass die Musik eben doch etwas erreichen könne. „Indem man nämlich über Zwischenmenschlichkeit, Liebe oder Fantasie singt“, macht Meyer die Botschaft des Konzerts deutlich.