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Die letzte Ruhe Ein Besuch auf dem Tierfriedhof in Delmenhorst

Von Marco Julius | 24.08.2016, 10:45 Uhr

Axel Schmidt betreibt in Delmenhorst einen Tierfriedhof. Und der sieht einem normalen Friedhof durchaus ähnlich.

„Die Sonne sank, bevor es Abend wurde“ steht auf dem Grabstein. Wer sich nur oberflächlich umschaut, der könnte das grüne Areal für einen ganz normalen Friedhof halten. Grab reiht sich an Grab, viele sind herausgeputzt und bestens gepflegt. Kleine Figuren stehen neben den Grabsteinen. Doch auf diesem Friedhof finden nicht Menschen ihre letzte Ruhestätte, sondern Tiere. Haustiere, um es genau zu sagen. Axel Schmidt bietet auf seinem Tierfriedhof, gelegen an der Straße Am Ziegelbusch in Delmenhorst, mitten zwischen dem katholischen und dem evangelischen Friedhof, Reihengräber und anonyme Grabstätten an. „Die Trauer ist kaum noch zu unterscheiden, ob nun ein nahestehender Mensch oder ein Tier gestorben ist.“ Schmidt muss es wissen. Er hat nicht nur den Tierfriedhof gegründet, er arbeitet auch in einem Bestattungsunternehmen für Menschen. „Es ist sogar eher so, dass sich die Trauer um Tiere in den vergangenen Jahren noch gesteigert hat“, beschreibt er die Vermenschlichung der Haustiere..

Ruhestätte für rund 150 Tiere

Etwa 150 Tiere haben auf dem Friedhof mittlerweile ein Grab bekommen. Vor allem Hunde und Katzen. Aber auch Kaninchen oder Vögel sind darunter. Ein Grab kostet für die ersten drei Jahre ab 225 Euro.

Meistens wollen Herrchen und Frauchen bei der Beisetzung dabei sein. Sie legen dann Kuscheltiere mit ins Grab. Oder Blumen. Sie nehmen Abschied und haben einen Ort für ihre Trauer. Einmal, da hat Axel Schmidt eine Katze unter die Erde gebracht, die auf der Nordwolle gelebt hatte. „Die Katze hat sich dort alle paar Monate ein neues Zuhause, eine neue Familie gesucht. Bei der Beisetzung kamen dann alle, die die Katze kannten“, erinnert sich Schmidt. Es gebe auch Tierhalter, die nahezu jeden Tag bei ihrem Liebling auf dem Friedhof vorbeischauen.

Tierfriedhof ist Familienunternehmen

Den Tierfriedhof betreibt er als Familienunternehmen. Ohne seine Frau Maren gehe es nicht, da das Geschäft quasi nebenbei laufe, neben dem Hauptberuf. Nicht alle Tierfreunde, die sich bei Schmidt melden, wollen eine Beisetzung auf dem Friedhof. Schmidt bietet nämlich auch Einäscherungen an, so können Tierfreunde ihren Liebling in einer Urne wieder mit nach Hause nehmen. „Das wird stark nachgefragt“, sagt Schmidt, stärker als eine Grabstätte. Schmidt fährt die toten Tieren dann in ein Tierkrematorium in Osnabrück – und bringt das, was übrig bleibt, den Angehörigen etwa eine Woche später zurück. Je nach Größe des Tieres können das bis zu zwei Handvoll sein. Der Beutel ist verplombt, denn Vertrauen ist wichtig in seiner Branche. Diverse Urnen bietet Schmidt zudem an.

Respekt vor dem Tier

Bei seiner Arbeit ist es ihm wichtig, dass stets der Respekt vor dem Tier und der Trauer der Tierhalter bewahrt wird. Er weiß, dass Menschen, die selbst kein Haustier haben, manchmal spöttisch lächeln. „Nur wer selbst um ein Tier getrauert hat, versteht das, was ich mache. Und nur der versteht, wie nah einem ein Tier ans Herz wachsen kann.“ Und Schmidt und seine Frauen machen mehr, als nur zur Schaufel zu greifen. Sind auch so etwas wie Seelentröster. „Oft dauern die Gespräche mit trauernden Tierhaltern sehr lang. Da geht es auch darum, zuzuhören und Trost zu spenden.“

Der Tierfriedhof ist rund 3000 Quadratmeter groß und seit sechs Jahren geöffnet. Über Mundpropaganda finden die meisten Tierhalter zu Axel Schmidt. Auch zu Tierärzten habe er ein vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut, sodass der Tierfriedhof mehr und mehr empfohlen werde. Der Dank der Tierhalter ist ihm Bestätigung, mit seiner Arbeit einen wertvollen Beitrag zu leisten.