Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Die Reifen müssen quietschen Delmenhorster Senioren gehen voll in die Eisen

Von Kai Hasse | 17.08.2017, 17:27 Uhr

Senioren lernen bei dem Kurs „Fit-im-Auto“ der Verkehrswacht der Stadt, sich und ihre Fahrfähigkeit einzuschätzen. Die Nachfrage nach den Kursen wächst. Wichtiger Punkt ist der Mut zur Vollbremsung.

Wer älter wird, hat vielleicht nicht mehr die Reflexe für sicheres Autofahren. Das ist eine Sorge vieler Senioren. Damit ältere Menschen ihre Fertigkeiten hinterm Steuer einschätzen können, bietet die Verkehrswacht Delmenhorst ein Sicherheitstraining an. Eine wichtige Fähigkeit: In die Eisen gehen können – und zwar volle Kanne.

Zusammenarbeit der Verkehrswachten

Eine gute Handvoll betagter Delmenhorster sammelt sich auf einer abgelegenen Straße an Delmenhorsts Stadtrand um Ralf-Peter Kesten von der Verkehrswacht Oldenburg-Land, mit der die Delmenhorster zusammenarbeiten. Er stampft auf den Boden, als wollte er die Erde aus der Umlaufbahn treten. So muss es sein, wenn man bremst. Später wird das geübt, im Auto, mit Markierungen auf der Straße.

Altersgruppe 65+ im Visier

„Es kostet einen Überwindung, wirklich mit aller Kraft auf die Bremse zu treten“, sagt Sabine Kaufmann, Sprecherin der Ortsgruppe Delmenhorst. Viele Fahrer würden bei der Übung nicht mit aller Kraft bremsen. Dabei ist genau das eines der wichtigsten Dinge für den Straßenverkehr. Auch Senioren sollen das hier lernen. „Auswertungen von Polizeiberichten haben gezeigt, dass man Autofahrer ab 65 Jahren näher ins Auge fassen sollte“, sagt sie. Da Kraft und Reaktionsgeschwindigkeit mit der Zeit abnehmen und neuere Verkehrsregeln nicht immer parat sind, sollen die Senioren nach dem Training selbst einschätzen, wie fit im Auto sie sind. „Wir werden dabei keine Einschätzung abgeben – die Teilnehmer sollen sich selbst ein Bild machen“, betont sie.

Wissbegierige Senioren

Das Training umfasst dabei unter anderem auch die richtige Einstellung des Sitzes, den besten Abstand zum Lenkrad oder die richtige Bremstechnik. „Das Bein darf beim Bremsen nicht durchgedrückt sein“, erklärt Kesten, „es muss immer ein wenig gebeugt bleiben.“

Die Senioren sind wissbegierig. Eine Teilnehmerin. gerade 65, will wissen, was sie kann und was nicht. „Man fährt ja eher unbewusst“, sagt sie Sie will sich Details vergegenwärtigen und eingeschliffene Fehler korrigieren. Ein älterer Mann, über 80, meint, selbst recht sicher zu fahren. „Wenn ich merke, dass ich es nicht mehr kann, würde ich das Autofahren aber auch sein lassen“, sagt er. Wenige Meter vor den beiden proben weitere Teilnehmer die Vollbremsung. Kesten feuert seine Schützlinge an, ordentlich die Bremse zu treten. „Das geht noch besser!“ ruft er, „die Reifen müssen quietschen!“. Die Teilnehmer fahren mit 30 Stundenkilometer – bei einem weiteren Durchgang mit 50 Stundenkilometer – an eine Markierung auf der Straße heran. Wenn sie das Pedal richtig treten und der Wagen gute Bremsen hat, fahren sie mit Tempo 50 zweieinhalb Wagenlängen über die Markierung hinaus. Die Teilnehmer staunen. Zweieinhalb Wagenlängen kann im Ernstfall eine Menge Bremsweg sein. Und der Reaktionsweg käme im Ernstfall hinzu.

Viele Frauen sind dabei

Sabine Kaufmann freut sich, dass bei diesem zweiten Termin von „Fit-im-Auto“ im Jahr besonders viele Frauen kamen. In der kleinen Gruppe sind zwei Männer, der Rest sind Frauen. Generell wachse die Nachfrage nach diesen Terminen, bei denen Senioren ihre Fähigkeiten am Steuer überprüfen können. Ein dritter Termin in dieser Reihe wird für November angepeilt. Melden kann man sich per Mail bei henning.schulze@delmenhorst.de.