Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

„Die Studentin und Monsieur Henri“ Delmenhorst: Fernsehstars brillieren im Kleinen Haus

Von Jasmin Johannsen | 22.03.2017, 16:22 Uhr

Wie ein verbitterter Witwer zum warmherzigen Familienmenschen wird, hat die Komödie „Die Studentin und Monsieur Henri“ am Dienstag im Kleinen Haus gezeigt. Mit bissigen Sprüchen überzeugte das kurzweilige Stück.

Wutausbrüche, spitzzüngige Sticheleien und ein anrührendes Ende – auf der Bühne des Kleinen Hauses wurde am Dienstag mit „Die Studentin und Monsieur Henri“ eine unterhaltsame und lehrreiche Komödie aufgeführt. Die rund 380 Zuschauer zeigten sich von dem herausragenden Schauspielensemble um Peter Prager angetan.

Verwirrspiel, um verhasste Schwiegertochter los zu werden

Eine Pariser Altbauwohnung: Der grantelnde Witwer Henri (Peter Prager) trifft hier auf die junge Studentin Constance (Wanda Perdelwitz). Sie soll als Untermieterin ein Auge auf den älteren Herren haben, denn mit dessen Gesundheit steht es nicht zum Besten. So lautet zumindest der Plan von Sohn Paul (Marcus Ganser). Der Witwer aber wehrt sich mit allen Kräften und fiesen Sprüchen gegen Constance („Wenn Sie was rumliegen lassen, schmeiß ich es sofort weg!“). Die lässt sich aber von dem Misanthropen nicht abschrecken, lockt doch ein kostengünstiges Zimmer. Da kommt Henri auf eine Idee: Constance könnte seinen Sohn verführen, damit der sich von der verhassten Schwiegertochter Valerie (Mackie Heilmann) scheiden lässt. Im Gegenzug winken sechs mietfreie Monate. Trotz Gewissensbissen geht Constance auf das Angebot ein und das Verwirrspiel nimmt seinen Lauf.

Stimmung in Delmenhorst mit schwarzhumorigen Dialogen

Die Stimmung des Publikums stieg zusehends mit den schwarzhumorigen Dialogen der Charaktere. Allem voran der Schlagabtausch zwischen Wanda Perdelwitz („Großstadtrevier“) und Peter Prager („Doctor’s Diary“) bot Anlass für viele Lacher aus den Zuschauerreihen. Die Chemie stimmte nicht nur bei dem ungleichen Paar, das ganze Ensemble überzeugte mit viel Spielfreude. Während Perdelwitz gekonnt mit ihrer Wandlungsfähigkeit das Publikum in den Bann zog, verlieh Prager dem Griesgram Henri hier und da auch mal sympathische Züge.

Trockener Steuerberater verfällt in tobende Wutausbrüche

Szenenapplaus gab es immer wieder für Marcus Ganser („Im Weißen Rössl“), der dem staubtrockenen Steuerberater Paul im Laufe des Stücks immer kämpferischer darstellte. Nicht nur mit tobenden Wutausbrüchen zeigte der vom Vater erklärte Waschlappen am Ende seine Potenz. Mackie Heilmann („Weibsbilder“) als dessen nervige Ehefrau Valerie überzeugte dagegen vor allem mit ihrer hohen Redegeschwindigkeit, die für viele Lacher sorgte.

Langer Beifall in Delmenhorst

Trotz aller Konflikte und Bissigkeiten endet das Generationsstück anrührend, denn kurz vor seinem Tod zeigt Henri sich doch noch einsichtig. Von Constance eines Besseren belehrt, erkennt der Alte, was wichtig ist im Leben: Liebe, Freundschaft und Toleranz. Diese Botschaft und den amüsanten Abend belohnte das Publikum mit langanhaltendem Beifall.