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Delmenhorster Jahresrückblick 2019 Die Tafel Delmenhorst zählt mehr als 4000 Gäste

Von Niklas Golitschek | 31.12.2019, 12:35 Uhr

Viele Gäste, neues Auto und ein wichtiger Preis – die Tafel Delmenhorst hat ein ereignisreiches Jahr hinter sich. Zwar waren nicht alle Momente auch schöne, resümiert die Vorsitzende Walburga Bähre, doch sieht sie nach wie vor die Bedeutung der Arbeit.

Die Tafel in Delmenhorst beobachtet weiterhin eine große Nachfrage. „Wir haben immer wieder Anmeldungen“, beobachtet Walburga Bähre, Vorsitzende der Tafel in Delmenhorst. Bis zu 20 Menschen kämen jede Woche neu hinzu.

Dass dieser Trend anhält, ist bei der Tafel inzwischen Alltag geworden. „Das Jahr ist ganz normal gelaufen“, sagt Bähre nüchtern zur Bilanz. Im Vergleich zum Vorjahr schätzt sie einen Anstieg um zehn bis 15 Prozent der Gäste. Dabei kämen wieder vermehrt Altersrentner und alleinerziehende Mütter, die ihren Lebensunterhalt nicht alleine bestreiten können; in den Vorjahren hatten die Tafeln vor allem Geflüchtete als neue Gäste registriert. Inzwischen sind es mehr als 4000, darunter 1000 Kinder in Delmenhorst, Ganderkesee und Hude. Zum Vergleich: „Als ich vor 14 Jahren hier angefangen habe, waren es noch 1000 Gäste.“

Immer etwas zu tun

Langweilig wird es den rund 60 Ehrenamtlichen bei der Tafel also nicht. Es sei eben immer etwas turbulent bei den Ausgaben, sagt Bähre: „Viele Gäste verstehen nicht, dass man nicht immer alles hat.“ Dabei sei die Tafel kein Ersatz für einen Supermarkt, stellt sie klar, sondern als Unterstützung für ein bis zwei Tage pro Woche gedacht. Manche nutzten das Angebot jedoch zur Vollverpflegung. Wer sich dann beschwert, bekommt von Bähre klare Kante: Die Gäste „sollten dankbar sein, dass Ehrenamtliche – teils 60 Jahre und älter – hier dreimal die Woche arbeiten“. Viele Freiwillige übernähmen Schichten von bis zu sechs Stunden, wenn nötig kämen sie auch einen vierten Tag. Gleichzeitig gebe es auch immer wieder positive Erlebnisse: „Mal ein kleines Dankeschön freut einen schon.“ Manche brächten auch mal einen Kaffee vorbei.

Trotz der in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Nachfrage reiche das Angebot der Delmenhorster Tafel noch aus. „Nur an Grundnahrung fehlt es etwas“, sagt Bähre und nennt beispielsweise Mehl, Zucker und Nudeln. Solche Produkte gebe es jedoch in den Supermärkten schon günstig zu kaufen. Der Trend bei der Tafel gehe ohnehin mehr zur Tiefkühlware. Deswegen hat sich die Tafel zum Jahresende auch einen neuen Tiefkühl-Transporter angeschafft.

Neuer Transporter

Das sei zwar ein großer finanzieller Aufwand, doch sei der erforderlich. Nach einem Unfall im Vorjahr habe die Tafel rund 10.000 Euro für einen Leihwagen aufwenden müssen. Für die Investition von 50.000 Euro habe der Verein lange gespart. „Das war ein enormer Akt“, sagt Bähre, zumal auch noch die Computer umgestellt werden sollen. Schließlich hat die Tafel auch einige andere Unkosten. Von bis zu 7000 Euro für Miete, Nebenkosten und Unterhalt des Transporters spricht die Vorsitzende. „Man sagt mir nach, ich sei geizig“, sagt die studierte Betriebswirtin, die vor ihrer Rente in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft gearbeitet hat. Doch arbeite sie hier eben nicht mit ihrem eigenen Geld und werde schließlich vom Finanzamt kontrolliert.

Für ihren langjährigen Einsatz bei der Tafel ist Bähre in diesem Jahr zur Delmenhorster Ehrenamtlichen des Jahres gewählt worden. Eine Auszeichnung, über die sie sich noch immer freut und die sie ebenso überrascht hat. „Ich dachte nach der Urkunde, das war's“, erinnert sie sich, „damit habe ich nicht gerechnet.“ Dabei habe sie zunächst noch geplant, die Veranstaltung gar nicht zu besuchen und sei nur auf Betreiben einiger Bekannter dorthin gegangen.

Kehrseite der Medaille

Allerdings hatte diese Auszeichnung auch ihre Kehrseite, wie Bähre erzählt: „Es gab Eifersucht im Mitarbeiterstamm.“ Dabei hatte sie bei ihrer kurzen Ansprache noch gesagt, dass sie den Preis stellvertretend für das gesamte Team entgegennehme. Da hätte sie sich über eine kleine Aufmerksamkeit aus dem Verein gefreut, doch die Auszeichnung sei einfach übergangen worden. „Da war ich ein bisschen enttäuscht. Ich bin gesundheitlich selbst nicht so auf der Höhe und mache das trotzdem immer wieder“, sagt Bähre.

Doch das soll die gute Arbeit des Tafel-Teams nicht eintrüben. Schließlich gibt es bald auch einen Grund zum Feiern für alle Mitglieder. „Wir bereiten uns langsam auf unser 20-jähriges Bestehen vor“, verrät die Vorsitzende.