Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Diebe beschuldigen Passanten Berufung vor Gericht um dreiste Lüge in Delmenhorst

Von Ole Rosenbohm | 14.02.2019, 20:37 Uhr

Oldenburg/Delmenhorst Ein Prozess um einen Diebstahl und eine ziemlich dreiste Lüge ist jetzt vor dem Oldenburger Landgericht in die Berufung gegangen. Eine 29-Jährige steht dort vor Gericht.

Geschehen schon vor zweieinhalb Jahren in der Delmenhorster Innenstadt war Folgendes: Wie das Gericht in erster Instanz feststellte und die beiden Angeklagten (er 27, sie 29) zugaben, hatte der 27-Jährige in einem Geschäft eine mit 250 Euro ausgezeichnete Jacke geklaut, während sie drinnen mit der Verkäuferin redete. Als er ihr die Jacke mit dem auffälligen Sicherheitsetikett dann übergab, wurden Passanten aufmerksam. Jemand benachrichtigte die Polizei.

Den Beamten gegenüber, die die beiden unweit der Hauptpost dann kontrollierten, gaben sie den Diebstahl keineswegs zu, sondern schoben ihm vielmehr einem zufällig Vorbeigehenden zu: Nein, die Jacke haben wir nicht geklaut, sagten sie, wir haben sie gekauft – und zwar von diesem da. Und sie zeigten auf den zufällig nahen Passanten, den sie vielleicht nie zuvor gesehen hatten.

Falsch Beschuldigter musste vor Gericht

Die beiden Angeklagten blieben lange bei ihrer „falschen Verdächtigung“, wie es im Juristendeutsch heißt. Sie blieben sogar noch bei ihrer Version, als gegen den falsch Beschuldigten der Prozess wegen Diebstahls und einer bei ihm im Zuge des Vorfalls gefundenen kleinen Menge Marihuana gemacht wurde.

Aber in diesem Prozess kam die Wahrheit ans Licht. Der falsch Beschuldigte wurde wegen des angeblichen Diebstahls freigesprochen, für das Gras verwarnt. Die 29-Jährige und der 27-Jährige bekamen ein eigenes Verfahren wegen Diebstahls, uneidlicher Falschaussage und falschen Verdächtigungen. Das Amtsgericht Delmenhorst verurteilte ihn zu einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung, sie zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung. Wichtig dabei zu wissen: Die Frau ist seit Jugendalter Heroin-, Kokain- und Ecstasy-Konsumentin, stark abhängig und mit einer ziemlich langen Vorstrafenliste ausgestattet. Eingerechnet wurde auch anderes Urteil gegen die 29-Jährige.

Schwer loskommen von den Drogen im Knast

Jetzt in der Berufung ließ das Landgericht das Urteil gegen den 27-Jährigen unangetastet. Vor allem die uneidliche Falschaussage würde zu schwer für einen Straferlass wiegen, sagte der Richter. Anders sah es bei der inhaftierten Frau aus. In ihrem Fall diskutierte das Gericht auch die Drogenabhängigkeit. Im Knast ist es wohl schwer, davon loszukommen. Auch die 29-Jährige gab an, dort zu konsumieren – eine Aussage, die ihr der Richter gerne glauben wollte.

Also regte der Richter die Einweisung nach Paragraf 64 Strafgesetzbuch in eine geschlossene Therapie an. Dieser Maßregelvollzug würde in ihrem Fall die Gefängniszeit ersetzen, sie dauert in der Regel zwei Jahre und hat nach Expertenmeinungen vor allem dann gute Erfolgsaussichten, wenn die Patienten sie auch wirklich wollen. Die 29-Jährige will, sagte sie. Jetzt wird sie also mit einem Gutachter reden, dann wird in einer neuen Verhandlung entschieden, ob es zur Einweisung in den Maßregelvollzug kommt.