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DK-Serie: Die Spezialisten Fruchtige Köder aus Delmenhorst für wählerische Karpfen

Von Jan Eric Fiedler | 21.08.2015, 09:19 Uhr

Köder für den Karpfenfang sind das Fachgebiet von „D&W Baits“ aus Große finanzielle Ambitionen hat die Firma aber nicht, sie ist für die beiden Betreiber mehr ein Hobby.

Ananas, Waldfrucht, Erdbeere und Bubble-Gum: Die Geschmacksrichtungen der Produkte von Karsten Werner und Sven Döll klingen zunächst nach Eisdiele. Auch die Kugelform passt. Doch bei den weiteren Geschmacksrichtungen wie vergorene Schweineleber, Oktopus oder Heilbutt wird klar, dass Döll und Werner keine Süßwaren für den menschlichen Genuss im Angebot haben, sondern Leckerbissen für Fische. Mit ihrer Firma „D&W Baits“ verkaufen die beiden Köder fürs Karpfenangeln.

Geschäft besteht seit 2008

Schon seit seiner Jugend hat er die Köder, auch Baits oder Boilies genannt, selbst hergestellt, berichtet der 42-jährige Werner, der Jugendwart beim Delmenhorster Fischereiverein ist. Die Idee, daraus ein Geschäft zu machen, ist erst 2008 entstanden. „Wir waren gemeinsam Angeln und hatten schon fünf Karpfen gefangen. Da kam ein Junge auf uns zu und hat gefragt, warum die bei uns beißen und bei ihm nicht“, erzählt Werner. Daraufhin schenkten er und Döll ihm eine Handvoll ihrer Boilies. „Danach hat er welche gefangen und wir nicht mehr“, sagt er lachend. Die nächste Frage des Jungen war klar: „Verkauft Ihr die auch?“ Mittlerweile können die beiden das bejahen. Ein Tierfutterhersteller produziert die Köder nach ihren Rezepten. Vertrieben werden sie über Angelgeschäfte für 7,95 Euro pro Kilo. „Wir finanzieren damit unser Hobby. Um mehr geht es uns nicht“, erklärt Werner.

Rezepte werden in der Garage getestet

In der Garage von Werner werden die Boilies für den Eigenbedarf und natürlich für den Test neuer Geschmacksrichtungen produziert. Gerade erst am Mittwoch war Herstellungstag: Gemeinsam mit zwei Mitgliedern der Jugendabteilung des Fischereivereins hat er verschiedene Sorten hergestellt. „Das ist die Sorte Chillberry“, erklärt er mit Blick auf einen knallroten, nach Waldfrucht-Aroma und Chili duftenden Teig. „Das müssten wir uns eigentlich patentieren lassen. Darauf beißen alle“, meint Werner.

Köder werden der Jahreszeit angepasst

Denn die Karpfen, auf die mit den Boilies hauptsächlich geangelt wird, sind durchaus wählerisch. „Jede Jahreszeit bietet in der Natur gewisse Nahrungsquellen, dem versuchen wir uns anzupassen“, erklärt Werner. So mögen es die Fische im Frühjahr eher fruchtig und im Winter proteinreich. Auch die Farbe der Köder spielt für den Angelerfolg eine Rolle: „In der Graft gehen die roten und gelben Boilies am besten.“ In anderen Gewässern werden dagegen dunklere Farben bevorzugt.

Rezepte sind geheim

Die genauen Rezepte ihrer Produkte sind geheim: „Es sind rein natürliche Zutaten: Sojamehl, Eifutter für Vögel, Grieß, Milchpulver, und Eier sind drin“, verrät Werner. Nachdem der Teig hergestellt und in 10 bis 28 Millimeter große Kugeln gerollt wurde, werden die Boilies gedünstet und in Folie verschweißt. Seine neuesten Rezepte kann er gleich vor Ort testen: Direkt neben seiner Köderküche befindet sich sein Teich, in dem mehrere große Karpfen schwimmen. Dazu gibt es Feedback von befreundeten Anglern. Und natürlich testen Döll und Werner selbst. Deshalb konnte Döll auch am Mittwoch nicht dabei sein: „Der sitzt gerade am Ochtum-Altarm und testet.“

Werner will für das Angeln begeistern

Doch auch wenn hinter D&W Baits keine großen finanziellen Ambitionen stehen, werden die beiden Köderproduzenten doch von einem gewissen Ehrgeiz getrieben: „Es würde mich kaputt machen, wenn man mit anderen Boilies mehr fangen würde“, sagt Werner lachend. „Außerdem ist es schön, wenn man einen Anteil daran hat, dass sich Leute für das Angeln begeistern.“