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dk-Serie „Mein Kiosk“ Der Kiosk am Wiekhorner Heuweg – Ein Stück Kultur

Von Marco Julius | 19.08.2015, 08:56 Uhr

Als Quereinsteiger kam Jürgen Schlüter zu seinem Kiosk am Wiekhorner Heuweg. Der gelernte Schiffbauer mag seinen neuen Beruf.

Seit Jahren schon beobachtet Jürgen Schlüter das Kiosk-Sterben in der Stadt. „Da geht ein echtes Stück Delmenhorster Kultur verloren“ sagt er. „Früher gab es an jeder Ecke einen Kiosk.“ Schlüter selbst kämpft auf seine Weise dafür, dass diese Kiosk-Kultur möglichst erhalten bleibt. Als Quereinteiger betreibt er seit September des vergangenen Jahres den Kiosk Wiekhorner Heuweg. „An diesem Standort, in dieser Bude gibt es aber schon seit über 50 Jahren einen Kiosk“, sagt der Mann, der ursprünglich Schiffbauer gelernt hat.

Ein schwieriges Geschäft

Einen Kiosk erfolgreich zu betreiben, das sei ein schwieriges Geschäft, gibt der 54-Jährige zu. „Viele Menschen freuen sich, dass es die kleinen Buden noch gibt, kaufen dann aber doch alles im Supermarkt. Das ist schade.“ Dabei kann er im Kiosk etwas bieten, was in großen Geschäften oft hinten runter fällt: den persönlichen Kontakt. Und so nutzt er das Fenster seines Kiosks nicht nur dazu, Waren zu verkaufen, er sucht auch den Schnack, das nette Wort, hört zu. „Man muss einen Draht zu den Kunden haben, lernen kannst Du das nicht“, glaubt er. Hier ein Wort übers Wetter, da ein Satz über die neueste Schlagzeile der Boulevardzeitung: Jürgen Schlüter mag das. Er hat auch Kunden aus den nahen Seniorenheimen, die bei ihren Spaziergängen bei ihm Halt machen und sich freuen, wenn er kurz Zeit für einen netten Plausch hat.

Das volle Kiosk-Programm

Zigaretten sind der Renner im kleinen Kiosk Wiekhorner Heuweg, der an sieben Tagen in der Woche geöffnet hat, Ruhetag Fehlanzeige. „Geraucht wird immer“, weiß Schlüter. Coffee to go, Backwaren, frisch geliefert vom Bäcker, belegte Brötchen, Lotto als wichtiges Standbein, die bunten Tüten: Schlüter bietet das volle Kiosk-Programm. Auch ein Paket-Service soll bald in Gang sein.

Treue Stammkundschaft

Als Kind hat er selbst seine Groschen zum Kiosk getragen, Süßigkeiten und Eis gekauft. Zur Jahn-Schule ging er damals, seinem Kiosk war er treu. Treu sind ihm auch heute viele Kunden. Auf 85 Prozent schätzt der den Anteil der Stammkunden.

Um 6 Uhr geht das Fenster auf

Anfangs hat er ein wenig kämpfen müssen, weil der Kiosk, als er ihn übernahm, zwei Monate ganz geschlossen war. „Da sind viele Kunden weitergezogen“, befürchtet er. Aber er will alle zurückgewinnen. Kurz nach 5 Uhr ist die Nacht vorbei, Schlüter startet in den Tag, ab 6 Uhr öffnet sich sein Verkaufsfenster. In den Verkaufsraum können die Kunden nicht hinein. „Mit dem Fenster ist es sicherer“, spielt er auf mögliche Überfälle an. Und so ein Verkaufsfenster ist schließlich auch ein Stück Kultur.