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DLW Flooring GmbH vor Übernahme Delmenhorster Linoleumfabrik sucht neuen Eigentümer

Von Michael Korn | 10.11.2017, 15:54 Uhr

Delmenhorst/Bietigheim-Bissingen. Die insolvente DLW Flooring GmbH mit Werken in Delmenhorst und Bietigheim-Bissingen sucht einen Käufer. Damit will das Unternehmen den Sanierungsprozess absichern.

Die insolvente Delmenhorster Linoleumfabrik DLW Flooring GmbH sucht innerhalb von nur zwei Jahren erneut einen neuen Eigentümer. Wie aus einer Pressemitteilung des Unternehmens hervorgeht, soll die Übernahme durch einen Investor die Sanierungsaussichten verbessern. Unterdessen löst der angekündigte Eigentümerwechsel zunehmende Besorgnis um den Erhalt der Arbeitsplätze in der 272-köpfigen Belegschaft am Standort Delmenhorst aus.

Sanierung in Eigenverwaltung

Die sogenannte „Sanierung in Eigenverwaltung“ des Bodenbelagherstellers mit Stammsitz in Bietigheim-Bissingen, liegt nach Darstellung des Unternehmens „voll im Plan“. Hans-Norbert Topp, Vorstandsvorsitzender und Sanierungsexperte, bekräftigte: „Unsere Umsatzerwartungen werden erfüllt“. Der Geschäftsbetrieb laufe stabil, wichtige Kunden und Lieferanten arbeiteten weiter mit DLW zusammen. „Eingehende Aufträge werden wie üblich bearbeitet und ausgeliefert“, erklärte Topp, der vor sieben Monaten für die Umsetzung der Sanierung in die Geschäftsführung berufen wurde. Trotz positiver Signale macht Vorstandschef aber auch deutlich, „dass der Sanierungsweg anspruchsvoll ist.“

Investorenprozess eingeleitet

Topp prüft den Angaben zufolge derzeit Sanierungsoptionen. Um den eingeschlagenen Sanierungsweg weiter abzusichern, hätten die Verantwortlichen nun einen Investorenprozess eingeleitet. Topp will so einen neuen Eigentümer für das gesamte Unternehmen finden, der DLW Flooring GmbH „über das eingeleitete Sanierungsverfahren hinaus begleitet und in eine positive Zukunft führt.“ „Wir hatten bereits kurz nach Sanierungsantrag erste Anfragen potenzieller Investoren. Das ist sehr positiv zu bewerten und zeigt, dass DLW Flooring einen guten Ruf im Markt hat“, teilte Topp mit. In dem nun eingeleiteten Prozess würden alle ernsthaft interessierten Investoren die Möglichkeit erhalten, Zahlen und Daten des Unternehmens zu prüfen, um dann ein entsprechendes Angebot abzugeben.

Sanierungskonzept zeigt Erfolge

DLW Flooring befindet sich seit über einem Jahr in einem umfangreichen Sanierungsprozess. Dieser komme gut voran und zeige Erfolge, „insbesondere in der Effizienz, in optimierten Produkten sowie im Vertrieb“. Die Geschäftsführung hatte Mitte Oktober beim Amtsgericht ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt, da ein kurzfristig aufgetretener Liquiditätsengpass nicht ausgeglichen werden konnte. Unter der Muttergesellschaft Armstrong war das Unternehmen bereits 2014 in die Insolvenz gegangen und wurde dann an den niederländischen Investor Fields verkauft. Mit etwa 730 Beschäftigten erwirtschaftete das Unternehmen zuletzt nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von rund 133 Millionen Euro. Während in dem Werk am Stammsitz vor allem PVC und Vinyl produziert werden, stellt DLW in Delmenhorst in erster Linie Linoleum her. Es ist das einzige Linoleum-Werk in Deutschland.

Belegschaft ist besorgt

Betriebsratsvorsitzender Frank Hejna sagte, „die Stimmung unter den Mitarbeitern geht stetig in den Keller, je mehr Verunsicherung es gibt“. Es scheine ja etwas schief zu laufen im Unternehmen, wenn jetzt ein neuer Eigentümer gesucht werde. Einsteigen werde wohl entweder ein Finanzinvestor, der das Sanierungskonzept fortführe und weiterentwickle oder aber ein strategischer Investor, der mit Teilschließungen von Abteilungen operieren könnte. Hejna erwartet in diesem Jahr keine Lösung mehr, sondern erst für das Frühjahr. Das von der Arbeitsagentur gezahlte Insolvenzgeld verschaffe dem Unternehmen entsprechend Luft. Der Betriebsrat erhofft sich nächste Woche von einem Treffen mit der Geschäftsführung mehr Klarheit über den Investorenprozess und auch Namen von Investoren. Hejna wünscht sich unterdessen mehr Verantwortung der öffentlichen Hand. Denn aufgrund des Insolvenzverfahrens brechen den Behörden-Aufträge weg, die immerhin zehn Prozent des Umsatzes ausmachten.