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Dramatische Entwicklung Delmenhorst braucht weitere Sporthallen für Flüchtlinge

Von Thomas Breuer | 19.10.2015, 18:52 Uhr

Die Sporthallen an der Lessingstraße (Mosaikschule) und an der Holbeinstraße (Schulzentrum West) stehen ab sofort nicht mehr für sportliche Aktivitäten zur Verfügung.

Die Stadt Delmenhorst benötigt beide Gebäude für die Aufnahme weiterer Flüchtlinge. Knapp 80 Zuwanderer sind bereits am vergangenen Samstag in die Sporthalle am Stubbenweg einquartiert worden. Für die laufende Woche ist vom Innenministerium ein weiteres Kontingent von bis zu 100 Flüchtlingen angekündigt worden.

Stadtverwaltung hält sich noch bedeckt

Im Gegensatz zu Vereinsvertretern wollte die Stadtverwaltung das vorübergehende Aus für den Sport in den weiteren beiden Hallen am Montagnachmittag noch nicht bestätigen. Am frühen Abend hat sie das in einer Pressemitteilung nachgeholt. Die Schulleitungen und die Vereine, die die Hallen nutzen, seien am Montag vom Fachdienst Schule und Sport entsprechend informiert worden.

„Verständnis für den Schritt“

Als Verein ist von der veränderten Nutzung der Halle an der Lessingstraße unter anderem der Tischtennis-Sportclub 09 Delmenhorst mit seinen 100 Mitgliedern betroffen. Dessen Vorsitzender Thorsten Rosowski sagte, er werde für die Zeit nach den Herbstferien versuchen, in anderen Hallen Trainingszeiten für die sechs Herren-, zwei Damen und zwei Jugendmannschaften zu bekommen. „Mal sehen, ob wir irgendwo Asyl kriegen“, meinte er. Und weiter: „Ich habe Verständnis für den Schritt.“ Die Stadt sei schließlich selbst nicht frei in ihrer Entscheidung, weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Die Sporthalle eignet sich offenbar gut für Flüchtlinge, weil sie in der benachbarten Mensa verpflegt werden können.

„Das kommt schon sehr plötzlich“

Die Sperrung der Halle an der Holbeinstraße trifft unter anderem die seit 29 Jahren bestehende Hobbyfußball-Gruppe des TV Deichhorst. „Wir wollten auch in den Ferien spielen“, meinte der zuständige Ansprechpartner Wilhelm Meyer. Er bringt Verständnis für die Stadt auf, sagt aber auch: „Das kommt schon sehr plötzlich, man kann gar nicht darauf reagieren.“

Oberbürgermeister bedauert den Schritt

„Leider hat uns die kurzfristige Mitteilung des Landes Niedersachsen vom Mittwochnachmittag vergangener Woche, 200 weitere Flüchtlinge außerplanmäßig aufnehmen zu müssen, in die Situation versetzt, Sporthallen als Notunterkünfte nutzen zu müssen“, sagt Oberbürgermeister Jahnz. „Ich bedauere zutiefst, dass wir diesen Schritt gehen müssen. Aber leider können wir derzeit keine anderen Entscheidungen treffen. Für das uns entgegengebrachte Verständnis bedanke ich mich sehr.“

Lotsenteam bereitet Aktion in City vor

Mit bis zu 20 Kräften war bereits am Samstag auch das Integrationslotsenteam am Stubbenweg vor Ort und leistete wertvolle Dienste bei der Übersetzung. Um Brücken zwischen Einheimischen und Flüchtlingen zu bauen, bereitet es derzeit eine bislang einmalige Aktion vor. Am Samstag, 24. Oktober, wollen die Lotsen zusammen mit Flüchtlingen an der Langen Straße in Höhe Marktplatz Rosen verteilen und den Delmenhorstern Danke sagen für die bisherigen Aufnahmen. Zudem sollen mithilfe der Übersetzer direkte Gespräche mit Flüchtlingen ermöglicht werden.