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Drei Jahre und drei Monate Haft Delmenhorster wegen Missbrauchs der Nichte verurteilt

Von Alexander Schnackenburg | 22.10.2015, 18:10 Uhr

Das Landgericht Oldenburg hat am Donnerstag einen 23-jährigen Delmenhorster zu einer Einheitsjugendstrafe von drei Jahren und drei Monaten Freiheitsentzug verurteilt: wegen sexuellen Missbrauchs der Nichte sowie der Verbreitung pornografischer Bilder und Schriften.

Das Gericht sieht als erwiesen an, dass der Angeklagte von November 2012 bis Dezember 2013 seine damals neunjährige Nichte in zwölf Fällen sexuell missbraucht hat . In vier Fällen ist er dabei, wie der Täter selbst auf Fotos und Videos dokumentiert hat, in sie eingedrungen, was das Gericht als „schweren sexuellen Missbrauch“ wertet.

Ans Licht gekommen waren die Straftaten, nachdem der Bruder des Angeklagten Bilder von den Missbrauchshandlungen auf dessen Smartphone entdeckt hatte. Mit diesen Aufzeichnungen hatte der psychisch behinderte Angeklagte gegenüber einem Schulfreund via Internet geprahlt. Der vorsitzende Richter Dr. Dirk Reuter sprach am Donnerstag von einer „verachtenswerten Kommunikation“ und einer „Sauerei“, die er dem Angeklagten persönlich übel nehme.

Nach Jugendstrafrecht verurteilt

Wie Reuter weiter ausführte, habe der Angeklagte „Glück gehabt“, dass er die ersten vier Missbrauchshandlungen, darunter auch eine schwere, noch vor Vollendung seines 21. Lebensjahres ausgeübt habe. Zudem, so Reuter, habe er „selten jemanden mit einer größeren Reifeverzögerung“ erlebt wie den Angeklagten, weswegen das Gericht auch für die Beurteilung der späteren Missbrauchstaten des Delmenhorsters das Jugendstrafrecht angewandt habe. Andernfalls wäre die Strafe noch wesentlich höher ausgefallen, erklärte der Vorsitzende mit Verweis auf den Staatsanwalt, der vier Jahre und drei Monate Haft für den Angeklagten gefordert hatte.

Laut Gericht keine Anzeichen von Pädophilie

Nach Einschätzung des Gerichts wie der psychiatrischen Sachverständigen weist der Täter keine Anzeichen von Pädophilie auf. Vermutlich habe es das neunjährige Opfer schlicht deswegen getroffen, weil niemand anderes da gewesen und der Angeklagte „geil“ darauf gewesen sei, sich sexuell zu betätigen sowie dies mitzuteilen, so Reuter. Es mangele dem Angeklagten nicht nur an Intelligenz, wie ein Test im Vorfeld der Verhandlung gezeigt habe, sondern auch an Empathie, so der Richter.

Noch vor der Urteilsverkündung hatten der Strafverteidiger und die Nebenklägerin in einem sogenannten Adhäsionsverfahren einen Vergleich geschlossen, der den Angeklagten über die Haftstrafe hinaus dazu verpflichtet, 6500 Euro Schmerzensgeld an seine Nichte zu zahlen.