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Drei Moscheen öffnen Türen Flucht ist Gesprächsthema in Delmenhorster Moscheen

Von Sonia Voigt | 03.10.2016, 18:53 Uhr

Gute Gespräche, aber zu wenig Gäste: So lassen sich die Eindrücke der drei islamischen Gemeinden in Delmenhorst nach dem Tag der offenen Moschee zusammenfassen. Migration und Flucht standen im Fokus.

Etwas mehr Zulauf hätten sich die drei islamischen Gemeinden in Delmenhorst am Montag bei ihrem Tag der offenen Moschee gewünscht, doch mit der Qualität der entstandenen Gespräche waren alle Aktiven durchaus zufrieden. Dabei ging es oft um das Thema Migration, das beim bundesweiten Tag der offenen Moschee auch zum Motto gewählt wurde, und konkret um die in Delmenhorst und anderswo aufgenommenen Flüchtlingsfamilien. Aber auch Befürchtungen vor dem lauter werdenen Rechtspopulismus spielten eine Rolle.

Flüchtlinge erzählen eigene Geschichte in Mevlana-Moschee

„Wer gekommen ist, hatte auch Zeit mitgebracht“, sagte Eyüp Ertugrul, Vorsitzender der islamischen Gemeinde der Mevlana-Moschee an der Breslauer Straße, die schon im 25. Jahr ihre Türen öffnete. Über 30 Gäste, darunter viele neue Gesichter, ließen sich bei Führungen informieren und saßen anschließend bei Tee und Gebäck mit Gemeindemitgliedern zusammen. Ertugrul lobte die ausführliche Diskussionen über die gegenwärtige politische Lage, die in seiner Gemeinde trotz der guten Integration in der Stadt auch Befürchtungen auslöse. Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan hätten ihre teilweise schockierenden Erlebnisse erzählt, berichtete Ertugrul, und verwies auf die Flüchtlingsarbeit vor Ort. Einziger Wermutstropfen am Ende des Tages: „Wir hätten gern noch mehr Besucher gehabt.“

3. Oktober steht in Ditib-Gemeinde noch unter Eindruck des Dresdener Anschlags

Das betont auch Elveda Seren aus dem Vorstand der Ditib-Gemeinde am Bienenschauer. Auch hier sei aber mit denjenigen, die kamen, die Chance zum Kennenlernen genutzt worden, einige verfolgten auch die Gebetszeiten in der Moschee mit. „Es ist gut, wenn man den Islam aus erster Hand miterlebt“, sagte der im Juli neu angetretene Imam Ali Demirden. „Manche Familien kommen jedes Jahr“, ergänzt der 2. Vorsitzende Cengiz Gültepe. Der 3. Oktober stand in der Delmenhorster Ditib-Gemeinde auch unter dem Eindruck des Anschlags auf eine Moschee des deutsch-türkischen Verbandes in Dresden wenige Tage zuvor. „Das geht uns natürlich nah“, sagte Gültepe, betonte aber, dass in Delmenhorst die Gegenwehr gegen radikale Tendenzen Tradition habe. Im Fokus standen auch hier die Themen Migration und Flüchtlinge sowie die praktische Zusammenarbeit, etwa die Unterstützung von Flüchtlingen mit Kleidung und Möbeln, aber auch deren Mithilfe beim Gemeindefest.

Freundschaftsfest mit neuen Gesichtern beim DIBV

In ein mehrtägiges Freundschaftsfest war der Tag der offenen Moschee beim Delmenhorster Integrations- und Bildungsverein (DIBV) eingebettet. „Heute hatten wir hier mehr neue Gesichter“, resümierten Özkan Kesim und Imam Lütfi Senel den Zulauf von rund 60 Gästen am Montag. Mehr dürften es trotzdem noch werden. „So können wir in Dialog treten, Vorurteile abbauen und den Menschen einen anderen Blickwinkel zeigen“, sagte Kesim und freute sich über Besuche von Seniorenbeirat, Polizei und Oberbürgermeister Axel Jahnz.