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Dreieinhalb Jahre Haft wegen Anstiftung Zweiter Mann in Braker Missbrauchsfall verurteilt

Von Ole Rosenbohm und Frederik Grabbe | 07.06.2018, 13:57 Uhr

Er wies seinen Chatpartner mehrfach an, sexuelle Handlungen an einer Vierjährigen zu begehen: Ein Mann aus Bremen ist am Donnerstag vom Landgericht Oldenburg zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Die Verteidigung will Revision gegen das Urteil einlegen.

Im Fall um schweren sexuellen Missbrauch eines vierjährigen Mädchens in Brake hat das Landgericht Oldenburg am Donnerstag einen zweiten Mann verurteilt: Wegen vierfacher Anstiftung zu schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern und in einem Fall in Tateinheit wegen Anstiftung zu einer beischlafähnlichen Handlung muss der Bremer für drei Jahre und sechs Monate hinter Gitter.

Anweisungen per Chat gegeben

Damit liegt die Strafe nicht weit entfernt von der des ehemaligen Lebensgefährten der Mutter des Kindes. Der Mann aus Brake war im März wegen mehrfachen schweren sexuellen Missbrauchs zu vier Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der nun angeklagte Bremer räumte die Taten vor Gericht ein. Er soll im August 2017 mit dem ehemaligen Lebensgefährten der Mutter des Kindes gechattet und dem Braker Anweisungen gegeben haben, bestimmte sexuelle Handlungen an dem Kind auszuführen.

Verteidigung will Revision gegen das Urteil einlegen

Der Staatsanwalt forderte vor Gericht eine Haftstrafe von vier Jahren. Die Verteidigung hingegen verlangte einen Freispruch und begründete dies damit, dass es nicht zu ausgeführten sexuellen Handlungen gekommen sei. Der Angeklagte Bremer habe zudem bei dem Chat nicht angenommen, dass seine Anweisungen wirklich zu realen sexuellen Handlungen führen könnten – ähnlich wie beim Telefonsex. Dementsprechend will die Verteidigung in Revision gehen, kündigte sie vor Gericht an.

Vor Gericht wurde deutlich, dass es weitere Chats zwischen den beiden Männern gegeben haben soll. Allerdings existieren diese nicht mehr. Ihr Inhalt ist folglich unbekannt.

Bundesweites Aufsehen

Im vergangenen Jahr hatte der Missbrauchsfall durch den ehemaligen Stiefvater bundesweit für Aufsehen gesorgt, weil die Polizei mit Bildern des Kindes nach dem Täter gesucht hat, nachdem ein Video des Missbrauchs im Darknet aufgetaucht waren. Wer das Material ins Darknet gestellt hat, ist noch immer unklar, hieß es vor Gericht.