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Drogenkonsum unter Schülern Delmenhorster Suchtprävention als Erfolgsgeschichte

Von Frederik Grabbe | 04.07.2018, 19:45 Uhr

Im Kampf gegen den Drogenkonsum bei Jugendlichen weist die Delmenhorster Schülerstudie beachtliche Erfolge auf. Die Studie sowie die praktische Suchtprävention wäre ohne finanzkräftige Helfer aber nicht denkbar.

Die Suchtprävention in der Stadt Delmenhorst ist eine Erfolgsstory. Das zeigt in schöner Regelmäßigkeit die Delmenhorster Schülerstudie, die 2016 zum vierten Mal unter der Regie des Aktionsbündnisses „Riskanter Konsum in Delmenhorst“ ausgeführt worden ist. Die Ergebnisse wurden nun in einer Infobroschüre zusammengefasst. Sie weisen beachtliche Erfolge bei der Drogenprävention auf.

Beachtliche Rückgänge beim Alkohol- und Tabakkonsum unter Jugendlichen

Da ist zum Beispiel der Alkoholkonsum: 2012 gaben 8 Prozent, also fast ein Zehntel, der Befragten an, sich häufig in einen Rausch zu trinken. 2016 halbierte sich dieser Wert beinahe auf 4,5 Prozent. 2012 tranken 36 Prozent der Befragten mindestens einmal im Monat Alkohol. 2016 waren es mehr als zehn Prozent weniger (24,8 Prozent). Und: Zwischen 2012 und 2016 hat sich der Anteil derjenigen, die niemals Alkohol trinken, von 61,3 auf 71,7 Prozent erhöht. Ähnlich lesen sich die Zahlen beim Tabakkonsum. Das tägliche Rauchen hat sich in dem genannten Zeitraum auf 8 Prozent halbiert. Und der Anteil derjenigen, die niemals rauchen, ist um fast 11 Prozent auf 73,3 Prozent angewachsen.

Studie weist auf Baustellen beim Cannabis- und Medienkonsum auf

 (Weiterlesen: Drogenkonsum unter Schülern nimmt an) 

Natürlich zeigt die Studie auch Baustellen auf: So haben etwa 37,4 Prozent aller 17-Jährigen 2016 einmal im Jahr Cannabis geraucht. 2012 waren es noch 32,8 Prozent. Auch der monatliche Konsum in dieser Altersklasse hat zugenommen (von 21,7 auf 25,6 Prozent). Grundsätzlich stufen die Autoren den Probierkonsum auf hohem Niveau ein. Bei der nächsten Auflage 2020 wird man darum mit Spannung auf den Cannabisgebrauch blicken, sagt der Präventionsfachmann Tim Berthold von der Delmenhorster Drogenberatung (drob), die dem Aktionsbündnis angehört. Und auf den Medienkonsum: Jeder achte Schüler (13 Prozent) gibt eine problematisch häufige Online-Nutzung an, worunter etwa Spiele oder Soziale Netzwerke fallen. Insgesamt nahmen mehr als 1900 Schülerinnen und Schüler zwischen 12 und 17 Jahren an der Studie teil.

Schülerpräventionsprogramm seit 1997 unterstützt

Schafft die Schülerstudie Klarheit darüber, in welchen Bereichen Jugendliche Beratungsbedarf haben oder wie sich Drogenkonsum über die Jahre verändert hat, ist hingegen das Programm „drop + hop“ die Basis der praktischen Suchtprävention: Bei dem Programm werden sämtliche Schüler der sechsten Klassen in der Stadt, rund 700 Jugendliche pro Jahr, erreicht. Und das seit 1997. Diese Wirkungsdauer hat einen entscheidenden Vorteil: „Die Schulen kennen uns und unsere Arbeit. Ein Zugangsproblem gibt es überhaupt nicht“, sagt Drogenberater Berthold. „Das können manche meiner Kollegen in anderen Landesteilen nicht behaupten.“

Lions Delmenhorst Burggraf erweisen sich seit 1997 als sichere Bank

Dass Schülerstudie wie Präventionsprogramm überhaupt möglich sind, ist auch auf den Lions-Club Delmenhorst Burggraf zurückzuführen. In 21 Jahren „drop + hop“ haben sich die Lions als sichere Bank erwiesen: Laut den Mitgliedern Dr. Michael Müller und Wolfgang Etrich hat der Verein hierfür insgesamt 75.000 Euro an Spenden eingetrieben. Auch der Schülerstudie griff der Club zuletzt 2016 mit 2000 Euro finanziell unter die Arme. Eine „existenzwichtige“ Finanzspritze für das Aktionsbündnis „Riskanter Konsum“, das mit nur begrenzten Ressourcen zurechtkommen muss, meint Berthold. Die Lions wiederum verweisen auf den Wert des Delmenhorster Aktionsbündnisses, ein Zusammenschluss aus elf verschiedenen Einrichtungen aus den Bereichen Schule, Gesundheit, Drogenhilfe, Sozialarbeit und Verwaltung. Etrich: „Das ist ein riesiges Pfund, mit dem man in Delmenhorst wuchern kann.“