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Ehemaliger Lindenhof in Adelheide Was passiert mit der Ruine am Tor zu Delmenhorst?

Von Frederik Grabbe | 20.08.2015, 17:22 Uhr

Gruselig, störend, kein gutes Image: Der ehemalige Lindenhof in Adelheide war einmal ein Ort für rauschende Feste. Seit dreieinhalb Jahren steht er nach einem Brand leer und verfällt. Eine Neunutzung des Areals ist nicht in Sicht.

Ein schöner Anblick ist es nicht: Seit dem Brand im Jahr 2011 ist das Dach des ehemaligen Lindenhofes an der Adelheider Straße eingebrochen. Heute ragen ein paar angekohlte Balken aus dem Gebäude hervor, auf dem backsteinernen Mauerwerk wachsen Pflanzen, Balkongeländer sind verrostet und teilweise abgebrochen. Der Lindenhof, ehemals Stätte rauschender Feste, ist heute unzugänglich. Die Front ist mit einem Bauzaun abgesperrt. Nähert man sich dem Gebäude, sieht man eingeschlagene Scheiben in Türen und Fenstern. Vor zugezogenen Gardinen türmen sich tote Fliegen. Nahe des Parkplatzes sind zwei alte, große Kunststoff-Tanks und eine Art Matratzenlager zu sehen. Ein großes Banner an der Nordseite bietet das Gebäude samt 12.500 Quadratmeter großem Grundstück zum Verkauf an. Ruft man bei der angegebenen Mobilnummer an, nimmt niemand ab. Umso zynischer wirkt das Schild, dass im Zentrum des Verfalls an der Eingangstür hängt und eine „Neueröffnung“ ankündigt.

„Arbeiten stören nicht, der Anblick aber schon“

Der Lindenhof ist eine Ruine, die seit Jahren verfällt. Doch es gibt auch Leben auf dem Grundstück. Auf dem Gelände nahe der alten Schießhalle sind Spielzeuge unter einem Baum zu sehen. Anwohner berichten davon, dass dieser Nebenteil des Geländes fast täglich benutzt werde. Ab und an büchsten Ziegen oder Hühner aus. „Bewegung gibt es ja immer“, sagt der Nachbar Erwin Menkens. Er berichtet von Arbeiten im Bereich der alten Kegelbahn. Genaues weiß er aber nicht. „Die Arbeiten stören nicht. Aber als Nachbar stetig auf die Ruine sehen zu müssen, das stört unheimlich“, sagt er. Der ehemalige Lindenhof steht an einer prominenten Stelle: Die Adelheider Straße verbindet die Autobahnabfahrt Groß Ippener an der A 1 mit der Stadt. „Die Ruine ist kein gutes Image für Adelheide und für Delmenhorst“, meint Menkens.

Ursprünge bis ins Jahr 1860

„Gruselig“, empfindet eine Anwohnerin, die nicht genannt werden möchte, den Anblick. „Aber immerhin ist es ruhig. Bloß keine Gastronomie“, fürchtet sie eine Neunutzung. „Dann soll der Lindenhof lieber eine Ruine bleiben.“ Wenn es nach ihr ginge, solle ein Lebensmittelgeschäft oder Wohnhaus entstehen. „Aber bloß kein Häuserblock.“

Glanzzeit zwischen 1953 und 1994

Der Lindenhof galt als Adelheides Vorzeigelokal. Seine Ursprünge reichen zurück bis ins Jahr 1860. Damals war es eine Gaststätte, wurde später um einen Kolonialwarenladen und zur Bäckerei erweitert. Unter dem Namen Lindenhof erlebte der Gasthof von 1953 bis 1994 seine Glanzzeit. Am Ende ging es aber steil bergab: Ab 1995 versuchten die „Churrascaria Brazil“ und ab 1999 das Bistro-Café „Imperial“ gastronomisch in Adelheide Fuß zu fassen – und scheiterten. Dann wurde aus dem Lindenhof das Bordell „Dreams“, ein Brand im Dezember 2011 hinterließ einen Schaden von 200.000 Euro. Als die Polizei das Gebäude nach dem Feuer untersuchte, fand sie eine professionelle Hanfplantage mit 500 Pflanzen. Seitdem steht das Gebäude leer und verfällt.

Fest steht: Das Gebäude steht zum Verkauf

Eine Neunutzung des Gebäudes oder des Areals ist nicht abzusehen: Die Besitzerin gibt sich gegenüber der Presse zugeknöpft. Ihren Namen möchte sie ebenfalls nicht in der Zeitung lesen. Für Anwohner wie Eigentümerin scheint die Lindenhof-Ruine wenig Anlass zu geben, Stolz zu sein. Die Besitzerin bestätigt lediglich, das Gebäude stehe noch immer zum Verkauf.

Schonung der Landschaft, die Ruine verfällt weiter

Etwas Handfestes ist von der Stadt auf Nachfrage nicht zu erfahren: Man sei bestrebt, an der Adelheider Straße 220 die Ruine zu beseitigen und nach dem Brand im November 2011 ein intaktes Landschaftsbild wiederzustellen. Ferner verweist Stadtsprecher Timo Frers auf „mehrere Gespräche“ des Fachdienstes Bauordnung mit der Eigentümerin. Im Flächennutzungsplan sei das Grundstück mit dem Außenbereich als Sondergebiet „Ausflugslokal mit Schießstand“ ausgewiesen. „Die Zulässigkeit von Vorhaben regelt sich nach den Vorgaben des Paragraphs 35 des Baugesetzbuchs. Diese Vorschrift dient vorrangig der Schonung der freien Landschaft“, so Frers. Diese Vorschrift sei es, die „nur wenige Vorhaben in einem eng begrenzten Rahmen“ zulasse. Weitere Auskünfte seien wegen des laufenden Verfahrens nicht möglich. Bis auf Weiteres werden Anwohner und Autofahrer mit der Ruine leben müssen. Der Anblick wird nicht schöner werden.