Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Ehrenamtliche Helfer gesucht Delmenhorster Tafel versorgt mehr als 3000 Menschen

Von Heike Bentrup, Heike Bentrup | 11.07.2016, 16:12 Uhr

Nach dem Umzug der Delmenhorster Tafel in größere Räumlichkeiten läuft der Betrieb reibungslos. Dennoch benötigt der Verein Spenden und vor allem weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.

Geduldig warten die Tafelkunden an diesem Mittwochmorgen an der Grünen Straße in Delmenhorst. Viele der Männer und Frauen, die sich zur Lebensmittelausgabe eingefunden haben, hatten sich schon geraume Zeit vor der offiziellen Öffnung vis-à-vis des Hauses Nummer 78 auf dem Parkplatz des Neo-Marktes versammelt. Als sich die Türen um 9 Uhr öffnen, reihen sich die Menschen geduldig in die lange Schlange ein, um nach und nach Einlass in die Ausgabestelle für Lebensmittel zu erhalten. Ein Bild, das sich seit Anfang März jeweils montags, dienstags und mittwochs wiederholt.

Betrieb hat sich gut eingespielt

Vor gut vier Monaten hatte die Delmenhorster Tafel ihren Sitz von der Elbinger an die Grüne Straße verlegt. Vorausgegangen war eine jahrelange Suche nach einem neuen Domizil, da der alte Standort mit seinen rund 150 Quadratmetern Fläche und dem Kühlhaus auf der Großen Höhe aus allen Nähten platzte. Jetzt stehen dem Verein mehr als 760 Quadratmeter zur Verfügung, inklusive Kühlhaus.

„Es hat sich alles gut eingespielt“, berichtet die erste Vorsitzende der Tafel, Walburga Bähre angesichts der großzügigen Räumlichkeiten in dem Gebäude, das über Jahrzehnte das Fachgeschäft für Zoo- und Gartenbedarf Nolte beherbergte. Das Kühlhaus vor Ort, der Platz zum Sortieren, das großzügige Lager und auch genügend Raum für die Lebensmittelausgabe würden dem Tafelteam die Arbeit erheblich erleichtern.

Weitere Ehrenamtliche gesucht

Gleichwohl, rundum glücklich ist der Vereinsvorstand nicht, fehlt es laut Walburga Bähre doch nach wie vor an ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. „Allein heute Morgen haben sich vier Mitarbeiter krank gemeldet, da muss dann schnell Ersatz her“, berichtet die Chefin, die an diesem Mittwochvormittag zwischen Ausgabe, Kasse und Lager hin und her flitzt und parallel die vielfältigen Aufgaben koordiniert. Zwischen 30 und 35 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die älteste unter ihnen fast 86, hat die Tafel-Chefin. Unter den Ehrenamtlichen sind mittlerweile auch einige Flüchtlinge, wie der Pakistani Khan, der auch als Übersetzter fungiert. Und auch die 16-jährige Gymnasiastin Elisa packt kräftig mit an. Sie nutzt die Ferienzeit für ein Praktikum. Doch trotz der großen Zahl an Helferinnen und Helfern werden weitere ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht.

Pro Tag bis zu fünf Tonnen Lebensmittel

„Viele aus der Stammgelegschaft sind schon im Rentenalter, man kann nicht von ihnen verlangen, dass sie jeden Morgen um 5 Uhr erscheinen“, sagt die Tafel-Chefin. Dringend benötigt werden tatkräftigen Mitarbeitern für die Ausgabe und das Sortieren der Lebensmittel auch Fahrer und Beifahrer. Schließlich kommen laut Bähre rund vier bis fünf Tonnen pro Tag an Lebensmitteln zusammen, die abgeholt werden müssen. Und diese Mengen werden auch benötigt. „Mittlerweile haben wir insgesamt mehr als 3000 Gäste in Delmenhorst, Ganderkesee und Hude“, berichtet die Tafel-Vorsitzende. 70 Prozent von ihnen seien Flüchtlinge. „Das entspricht dem Anteil in anderen Tafeln“, berichtet Bähre.

Preise müssen erhöht werden

Aktuell zahlen Erwachsene zwei Euro, für Kinder im Alter bis zu 15 Jahren ist ein Euro zu entrichten. Dafür gibt es eine ganze Palette an Lebensmitteln. Angefangen von Säften, Limonaden und Wasser über Kaffee, Tee, Obst und Gemüse wie die frischen Paprika, die erst am Morgen aus dem Netto-Zentrallager geholt worden waren, bis hin zu Brot und Kuchen sowie Milchprodukten. „Wir können aber immer nur das ausgeben, was wir, auch im Austausch mit anderen Tafeln wie Bremerhaven, Sottrum oder Schwanewede, im Lager haben und achten darauf, dass es gerecht verteilt wird“, sagt Bähre. Dass das nicht alle Tafelgäste einsehen, belegt an diesem Mittwochvormittag ein Mann, der vehement mehr Gemüse einfordert. Walburga Bähre muss einschreiten und den Gast beruhigen, ein Stammkunde übrigens. Daher hält sich die Aufregung in Grenzen.

Neben weiteren Helferinnen und Helfern benötigt der Verein laut Bähre aber auch dringend Spenden, um die laufenden Kosten decken zu können. „Das Spendenaufkommen ist in der jüngsten Zeit deutlich zurückgegangen“, haben die Verantwortlichen festgestellt. Daher müsse die Tafel ab Oktober auch die Preise erhöhen. Erwachsene zahlen dann drei Euro.