Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Eigenen Lebensgefährten bestohlen Urteil in Delmenhorst: 19-Jähriger muss 120 Arbeitsstunden ableisten

Von Dirk Hamm | 12.06.2018, 09:13 Uhr

Wegen Beihilfe zum Diebstahl, Fahrens ohne Führerschein und anderen Delikten ist ein 19-Jähriger vom Amtsgericht Delmenhorst zu einer Arbeitsauflage von 120 Stunden verurteilt worden.

Eine „bunte Mischung von Straftaten“ hat sich ein 19-Jähriger aus Stuhr zuschulden kommen lassen. So kommentierte am Montag Jugendrichter Thomas Pünjer die Anschuldigungen, über die er am Amtsgericht Delmenhorst zusammen mit zwei Schöffen zu richten hatte: Beihilfe zum Diebstahl von Elektronikgeräten, zwei Fahrten ohne gültige Fahrerlaubnis, unbefugter Gebrauch eines fremden Fahrzeugs, ein Tankbetrug und mehrere Schwarzfahrten mit der Nordwestbahn. Das Urteil fiel mit der Auflage von 120 gemeinnützigen Arbeitsstunden milde aus.

Schwierige Abwägung

Das mag auf den ersten Blick verwundern, doch nicht immer ist der genaue Charakter und die Tragweite eines Delikts ganz zweifelsfrei zu bestimmen. So sah sich das Jugendschöffengericht mit der Abwägung konfrontiert, ob es sich bei einer der Fahrten ohne Führerschein zugleich um den vorsätzlichen Diebstahl des Wagens oder nur dessen unbefugten Gebrauch handelt. Im letzteren Fall bleibt die Strafverfolgung aus, wenn der Geschädigte keinen Strafantrag stellt.

Geschädigter setzt sich für Angeklagten ein

Im vorliegenden Fall spielte der Geschädigte als Zeuge die zentrale Rolle dafür, dass der Angeklagte einer härteren Strafe entging. Denn es handelte sich um dessen 50-jährigen Lebensgefährten, das Paar lebt zusammen in Stuhr und peilt die Eheschließung an. Im August 2017 war diese Beziehung noch nicht so gefestigt, und der Stuhrer musste feststellen, dass sein Cadillac von dem Mitbewohner, der noch bis April 2018 in Delmenhorst gemeldet war, entwendet und mit leerem Tank an der Autobahn zurückgelassen wurde.

Mit Suizidabsicht auf die Autobahn

Ähnliches wiederholte sich dann drei Wochen später. In der Zwischenzeit hatte er außerdem bemerkt, dass mehrere Elektronikgeräte im Wert von 700 Euro aus der Wohnung verschwunden waren. Der 19-Jährige hatte einem früheren Kumpel Zutritt verschafft, damit er die Geräte abtransportieren und zu Geld machen kann.

Die Erklärung des in Pflegeheimen aufgewachsenen Angeklagten: Er habe im ersten Fall vorgehabt, mit dem entwendeten Cadillac auf der Autobahn Selbstmord zu begehen. Seinem finanziell klammen Kumpel habe er durch den ermöglichten Diebstahl helfen wollen.

Seit den Taten gereift

Der Lebensgefährte sagte aus, ihm die juristisch schwer einzuordnenden Taten verziehen zu haben. Ebenso wie die nach einer früheren Verurteilung eingesetzte Bewährungshelferin bescheinigte er dem jungen Mann, seit Herbst 2017 erheblich gereift zu sein.