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„Ein Stern hätte gereicht“ Pastor Thomas Meyer kritisiert neue Delmenhorster Winterbeleuchtung

Von Marco Julius | 02.12.2017, 10:49 Uhr

„Das Weihnachtsfest verkommt zu einem Konsumspektakel“, sagt Thomas Meyer. Der Pastor kritisiert die neue Beleuchtung in der Delmenhorster Innenstadt.

Thomas Meyer, Pastor der Stadtkirche, ist ein toleranter Mensch. Aber er ist auch ein Mann des offenen Wortes. Und manchmal gibt es Dinge, die lassen bei ihm fast die Hutschnur platzen. Da muss er auch einmal Luft ablassen. Zeit, sich bei einem Kaffee über ein paar Dinge auszutauschen, die den Kirchenmann stören. Stichwort „Black Friday“ direkt vor dem Totensonntag, Stichwort Winter- statt Weihnachtsbeleuchtung.

Weihnachtsfest verkommt zu Konsumspektakel

„Dass die Innenstadt derzeit in ein schönes Licht getaucht ist, ist begrüßenswert. Alles, was die City aufwertet, ist gut“, sagt Meyer. Aber eine Winterbeleuchtung ohne jegliche christliche Symbolik? „So verkommt das Weihnachtsfest noch mehr zu einem reinen Konsumspektakel. Ein Stern in dem breiten leuchtenden Band hätte als Hinweis auf den Morgenstern, der die Weisen geführt hat, schon gereicht“, sagt der Pastor. Wer Tradition und Bräuche neutralisiere, der betreibe eine Aushöhlung dessen, was im Zentrum „des ganzen Zinnobers steht, den wir jedes Jahr betreiben“, das Weihnachtsfest und Christi Geburt.

Meyer: Argument von Salmen gilt nicht

Das Engagement der Kaufleute sei löblich, die Beleuchtung durchaus schmuck, sagt Meyer: „Aber muss denn alles neutralisiert werden?“ Ein Argument, das Stadtwerkechef Hans-Ulrich Salmen vorgebracht hat, lässt Meyer nicht gelten. Salmen hatte den Namen Winterbeleuchtung unter anderem damit erklärt, dass die LED-Leuchten bis Mitte Februar, also bis weit über die Weihnachtszeit hinaus, hängen sollen. Meyer entgegnet: „Es darf auch gerne in der Öffentlichkeit mal Bildung in der Weise betrieben werden, dass der Weihnachtsfestkreis mindestens bis Mariä Lichtmess, in Jahren, wo das Osterfest weit hinten liegt, sogar noch darüber hinaus bis zum letzten Sonntag nach Epiphanias andauert, also bis in den Februar hinein.“

„Wir shoppen und winterleuchten gegen unsere Urängste, gegen den Tod an.“

Und wo Meyer schon beim Thema ist: Dass die Winterbeleuchtung bereits vor dem Totensonntag, einem der stillen Tage, eingeschaltet wurde, verdunkelt des Pastors Laune auch erheblich. Dass dann die Kaufmannschaft auch noch den „Black Friday“ ausruft, einen „schwarzen Freitag“ mit Lockangeboten vor dem Totensonntag, bringt Meyer endgültig in Fahrt. „Da werden seltsame Assoziationen geweckt“, sagt er. „Wir shoppen und winterleuchten gegen unsere Urängste, gegen den Tod an. Konsum nimmt eine Funktion ein, die im Moment vielleicht guttut, uns am Ende aber nicht retten wird. Das ist eine Ablenkung von allem Existenziellem!“ Meyer fragt sich, „ob wir als Europäer so wenig Selbstbewusstsein mitbringen, dass wir jeden Quatsch aus Amerika übernehmen müssen“.

Eigene Bräuche sind zielführender

Auf eigene Traditionen und Bräuche zu setzen, hält Meyer für zielführender. „Die sind eine Hilfe und Stütze im Alltag des Lebens.“ Meyer wäre froh, wenn sich im kommenden Jahr beim Thema Winterbeleuchtung noch ein paar Dinge ändern ließen. Dabei geht es ihm nicht nur um den Namen. Eine Debatte zumindest, die ist jetzt angestoßen. Und seinem Ärger Luft machen konnte der Pfarrer auch.