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Eine Institution im Wollepark Delmenhorster Umsonstladen hilft vielen weiter

Von Thomas Breuer | 30.11.2015, 22:13 Uhr

Wer den Andrang bei „Geben & Nehmen“ nicht selbst erlebt hat, kann sich das Geschehen kaum vorstellen. Mittendrin versucht das Helfer-Team, die Ruhe zu bewahren.

„Anderen geht es noch schlechter.“ Das sagt ausgerechnet Erika Geisler (69). Die Rentnerin sieht ihrer zweiten Knieoperation entgegen, hat bei einem Wohnungsbrand schon einmal alles verloren, ohne versichert zu sein, und ihr Mann ist mit 59 verstorben.

Menschen, denen es nach ihrer Einschätzung schlechter geht, sieht Erika Geisler jede Woche. Mindestens zweimal zu den Ausgabezeiten des Wollepark-Ladens „Geben & Nehmen“ an der Schwabenstraße 7. Wer hier darauf wartet, dass sich die Türen öffnen, hat nichts oder wenig, ist darauf angewiesen, sich an dem zu bedienen, was andere aussortiert und gespendet haben.

Kein Öffnungstag ohne großen Ansturm

Als Hartmut Baumann die Schlüssel umdreht, ist es 15.31 Uhr. Einen Moment lang ist zu befürchten, dass er an der Wand zerdrückt wird. Sechzig, siebzig, vielleicht auch achtzig Menschen drängen in den Laden, der einmal eine Wohnung war. Eine Atmosphäre wie vor Kaufhäusern in jenen Jahren, als der Schlussverkauf seinen Namen noch verdiente.

Den Laden gibt es seit 2008

Der 65-Jährige kennt das schon, nimmt es routiniert hin. Seit Mai 2012 engagiert er sich ehrenamtlich im sogenannten Umsonstladen, führt dort Regie und 20 weitere Ehrenamtliche, die Mehrzahl von ihnen weiblich. „Es gibt keinen besseren Chef als Hartmut“, sagt Sara Karli. Sie muss es wissen, war schon 2008 mit anderen aramäischen Frauen dabei, als das Nachbarschaftszentrum Wollepark das Projekt „Geben & Nehmen“ ins Leben rief.

Maximal zwei Euro als kleiner Kostenbreitrag

Inzwischen ist der Umsonstladen kaum noch wegzudenken, wobei: Die Bezeichnung trifft es nicht ganz. 30 Cent müssen pro Teil bezahlt werden, für große Dinge und technische Geräte auch mal mehr – aber nie mehr als zwei Euro. Die Art Schutzgebühr muss sein, sonst würde mancher wohl allzu kräftig zulangen.

Es soll für alle reichen, auch für die, die neu in Delmenhorst sind. Mit einer Aufenthaltsgenehmigung kann dieser Personenkreis im Nachbarschaftsbüro eine Bescheinigung erhalten, mit der im Laden eine Grundausstattung zu erhalten ist. „Geben & Nehmen“ ist eine Einrichtung des Quartiersmanagements des Diakonischen Werkes Delmenhorst/Oldenburg-Land. Der karitative Gedanke zählt.

Der Chef kann auch Konflikte managen

Chef Hartmut Baumann kann derweil seine einstigen beruflichen Qualitäten voll ausspielen: Einzelhandelskaufmann hat er gelernt, war als Steuerfachangestellter beschäftigt – und mit Konfliktmanagement kennt er sich auch aus. Gerade das kann nicht schaden, wenn die Menge an fast allen Öffnungstagen in den Laden drängt.