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Einigung auf Bewährungsstrafe Solarmodule gestohlen: 38-Jähriger in Delmenhorst verurteilt

Von Johannes Giewald, Johannes Giewald | 08.12.2016, 16:14 Uhr

Es ging um gestohlene Solarmodule im Wert von 120.000 Euro: Das Amtsgericht Delmenhorst hat am Donnerstag gegen einen 38-Jährigen aus Ganderkesee eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verhängt. Ob der Mann die Panele selbst gestohlen hat oder nur verkaufen wollte, bleibt weiter unklar.

Im März 2014 war die Solaranlage auf dem Gelände einer Spedition in Delmenhorst von einem Sattelauflieger verschwunden – samt eines Gabelstaplers. Sechs Monate später tauchten die Panele bei einer zweiten Spedition in Dötlingen wieder vollständig auf – auf einem Lastwagenanhänger, der zu der ersten Spedition gehörte. Durch einen Tippgeber führte die Spur zu dem Angeklagten, einem Beschäftigten dieser Spedition.

Am Donnerstag stand der 38-Jährige vor Gericht, wofür genau war nicht genau klar: Ihm wurde entweder der Versuch angelastet, die gestohlenen Module als gewerbsmäßige Hehlerei zu verkaufen oder direkt am Diebstahl beteiligt gewesen zu sein. Auf einen genauen Tatbestand legte sich die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage nicht fest.

Bewährungstrafe gegen Geständnis

Der Vorsitzende Richter sprach von einer Art Indizienprozess, verschiedene Sachverhalte wie das zeitgleiche Auftauchen von gestohlenen Waschmaschinen und 11.000 Pullovern oder die Beteiligung von weiteren Personen könnten zusätzliche Erkenntnisse erbringen. „Für so eine Aktion braucht man mehrere Leute“, sagte der Richter, „Sie werden mit Sicherheit nicht alleine gehandelt haben.“ Dass der 38-Jährige die Solarmodule einer Frau zum Kauf angeboten hatte, hatte bereits im Vorfeld des Prozesses ausgesagt.

Für die vorliegende Anklage wollte das Gericht jedoch auf eine umfangreiche Beweisaufnahme und die Befragung weiterer Zeugen verzichten, indem dem Angeklagten für ein rasches Geständnis ein Strafmaß von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung angeboten wurde. „Ich kann nur empfehlen, wenn Sie Mist gebaut haben, machen Sie einen glatten Schnitt“, riet der Richter.

Nach Auffliegen entlassen

Ohne sich selbst zu den Ereignissen oder zum eigenen Handeln zu äußern, stimmte der Angeklagte in Absprache mit seinem Verteidiger dem Strafmaß zu. Der 38-Jährige sei bis zum Auffliegen der Tat als Erbe der Speditionsinhaber vorgesehen gewesen und sollte einmal die Geschäfte weiterführen. Stattdessen wurde er nach Bekanntwerden des Diebstahls entlassen. Deshalb verwies der Verteidiger auf die persönlichen Konsequenzen für den Angeklagten, eine Strafe von anderthalb Jahren sei daher ausreichend.

Darauf ließ sich der Vorsitzende Richter jedoch nicht ein, sondern verhängte unter Zustimmung der Staatsanwaltschaft die vereinbarte Strafe von einem Jahr und neun Monaten unter Auflagen über einen Bewährungszeitraum von drei Jahren wegen Diebstahl in einem besonders schweren Fall.