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Einstiegsqualifizierung Flüchtling bereichert Delmenhorster IT-Firma

Von Merlin Hinkelmann | 26.04.2017, 10:42 Uhr

Seit einem Jahr und neun Monaten lebt Yagoub Georgees nun in Der 23-jährige Flüchtling will im August eine Ausbildung aufnehmen.

Wenn Yagoub Georgees spricht, konzentriert er sich ganz genau. Auf das, was er sagt, jeden Satz und jedes Wort. Wer ihm zuhört, käme nicht auf den Gedanken, dass der 23-Jährige erst seit etwas mehr als eineinhalb Jahren in Deutschland lebt. Seine fortgeschrittenen Sprachkenntnisse sind für den Flüchtling aus Syrien Gold wert – und machen ihn für die Delmenhorster Firma Apmann zu einem wertvollen Mitarbeiter.

Ziel: Ausbildung zum IT-Systemelektroniker

Einstiegsqualifizierung. So nennt sich das vom Jobcenter finanzierte Programm, an dem Yagoub Georgees seit Januar teilnimmt. Bei Apmann, einem Dienstleister für Telefonanlagen und Kommunikationstechnik, absolviert er nun ein Langzeitpraktikum, begleitet Techniker auf Kundenterminen – und lernt den Arbeitsalltag kennen. Parallel besucht er die Berufsschule. „Wenn alles gut geht, kann er im August seine Ausbildung zum IT-Systemelektroniker beginnen“, sagt Ela Wemken, U25-Teamleiterin beim Jobcenter.

In Syrien Nachrichtentechnik studiert

Yagoub Georgees ist dankbar für die Unterstützung: „Es ist eine tolle Chance für mich, ins Berufsleben zu kommen“, sagt er. In Syrien hat der junge Mann vier Jahre Nachrichtentechnik studiert. „Im Studium habe ich die Theorie gelernt, jetzt bin ich in der Praxis.“ Dass sein neues Zuhause seit einiger Zeit Delmenhorst heißt, darüber ist er froh. „Viele meiner Verwandten leben hier, ich habe mich sofort wohlgefühlt.“ Bevor Yagoub Georgees mit der Einstiegsqualifizierung begann, absolvierte er mehrere Praktika und einen Integrationskurs mit dem Titel „Perspektiven für junge Flüchtlinge“. Bei dem Angebot der Arbeitsagentur bekam der Syrer Hilfe bei der Arbeitssuche und machte sich mit dem deutschen Ausbildungssystem vertraut.

Deutsche Sprachkenntnisse immens wichtig

Derweil wurden seine Sprachkenntnisse besser und besser. Das sei nicht selbstverständlich, wie Ela Wemken vom Jobcenter deutlich macht. „Flüchtlinge kommen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen nach Deutschland. Nicht jeder hat studiert. Und nicht jedem fällt es leicht, eine komplett neue Sprache zu erlernen.“ Das Unternehmen Apmann stand schon länger mit dem Jobcenter in Verbindung, suchte dringend Fachkräfte. „Als wir von der Möglichkeit der Einstiegsqualifizierung erfahren haben, waren wir sofort dabei“, berichtet Torsten Gähler, Geschäftsführer der rund 100 Mitarbeiter großen Firma, die sich als Dienstleister im Bereich Daten- und Kommunikationstechnik versteht. „Besonders im Kundenkontakt ist es immens wichtig, die deutsche Sprache zu beherrschen“, betont Gähler. „Unsere Mitarbeiter müssen schließlich auch komplexe technische Zusammenhänge erklären können.“

Firma setzt auf Multi-Kulti

Schon beim Vorstellungsgespräch für das Vorpraktikum überzeugte Yagoub Georgees das Unternehmen. „Vor allem sein sicheres Auftreten hat uns positiv überrascht“, erinnert sich Markus Engelbrecht, Leiter Technik und Vertrieb. „Er passt wunderbar zu uns.“ Das Langzeitpraktikum sei eine „gute Gelegenheit für Yagoub Georgees zu zeigen, was er kann“. Wer in der Kommunikationsbranche bestehen wolle, müsse sich international ausrichten, erklärt Engelbrecht. Mitarbeiter unterschiedlicher Nationalitäten an Bord zu haben, sei deshalb ein großer Vorteil. „Wir sind sozusagen eine Multi-Kulti-Firma. Ein Mitarbeiter kommt aus Italien, der andere aus Griechenland.“ Und Yagoub Georgees aus dem Nahen Osten.