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Einvernehmlich oder nicht? Landgericht verhandelt Verfahren um Sex unter Soldaten neu

Von Alexander Schnackenburg | 18.01.2016, 18:08 Uhr

Handelte es sich bei dem Vorfall aus dem Januar 2013 um eine Vergewaltigung, „nur“ um sexuellen Missbrauch einer Widerstandsunfähigen“– oder um nichts von alledem? Die Frage beschäftigt verschiedene Gerichte und mehrere Kammern seit über drei Jahren.

Zunächst, im Dezember 2013, hatte das Amtsgericht Delmenhorst zwei damalige Soldaten der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne der „einheitlich begangenen gemeinschaftlichen Vergewaltigung“ einer Kameradin für schuldig befunden und zu 20-, beziehungsweise 14-monatigen Freiheitsstrafen auf Bewährung verurteilt. Im Juni 2014 sprach das Landgericht Oldenburg die Soldaten wieder frei: aus Mangel an Beweisen.

Freispruch aufgehoben

Gegen dieses Urteil aber legten Staatsanwaltschaft und Nebenklage Revision ein – mit Erfolg. Das Oberlandesgericht Oldenburg hob den Freispruch im Februar 2015 wieder auf, monierte Rechtsfehler in der Berufungsverhandlung. Jetzt verhandelt eine andere Kammer des Landgerichts um Richter Christian Weigmann den Fall neu.

Sehr unterschiedliche Äußerungen

Wie die beiden Angeklagten, ein 23-jähriger arbeitssuchender Maschinen- und Anlagenführer sowie ein 22-jähriger Student, am Montag übereinstimmend angaben, hatten sie den betreffenden Abend zusammen bei reichlich Bier im Mannschaftsheim verbracht, ehe die mutmaßliche Geschädigte sie dazu eingeladen habe, mit ihr auf die Stube zu kommen, um dort gemeinsam einen Film zu gucken. Über den weiteren Verlauf des Abends äußern sich die Beteiligten unterschiedlich.

Zunächst einvernehmlich

Offenbar ist es zu einigen sexuellen Handlungen vor allem zwischen dem jüngeren Angeklagten und der Gefreiten gekommen, die zwischen den beiden Männern auf ihrem Bett gesessen hatte. Auch – so das Bild nach diesem ersten Verhandlungstag – geschah dies zunächst einvernehmlich.

Aussagen von Mediziner sollen aufklären

Aussagen der Zeugin zufolge aber, welche das Gericht am Montag in der Verhandlung verlas, habe sie ihren beiden Kameraden schließlich zu verstehen gegeben, dass es ihr zu intim werde und sie nicht mehr wolle – eine Botschaft, die die Männer entweder nicht oder zu spät verstanden, vielleicht aber auch gar nicht verstehen wollten.

Weitere Zeugenaussagen, etwa die eines Rechtsmediziners zu Verletzungen an den Schenkeln der Zeugin, sollen nun Licht ins Dunkel bringen. Das Landgericht Oldenburg setzt die Verhandlung am Mittwoch, 20. Januar, fort.