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Einwanderung in Delmenhorst Zahl der Einbürgerungen in Delmenhorst auf neuem Tiefstand

Von Frederik Grabbe | 27.01.2015, 16:41 Uhr

Die Niedersächsische Landesregierung will die Einbürgerung erleichtern. Tatsächlich sinkt die Zahl der Einbürgerungen seit Jahren.

137. Dies ist die Anzahl der Menschen, die im vergangenen Jahr in der Stadt Delmenhorst eingebürgert wurden. Ein neuer Tiefstwert. Weniger Personen (130) erhielten zuletzt 2001 die deutsche Staatsbürgerschaft. Dies geht aus aktuellen Zahlen der Stadt hervor. 2006 waren es noch 266 Einbürgerungen.

Schneller, einfacher, günstiger für Antragsteller

Wenn es nach der rot-grünen Landesregierung geht, soll die Einbürgerungsquote Niedersachsens in den kommenden Jahren steigen. Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) forderte vergangene Woche im Landtag eine Vereinfachung der Verfahrensregelungen ( dk berichtete ). Einbürgerungen solle einfacher, schneller und die erhobenen Kosten für Antragsteller günstiger werden, so die Forderungen von SPD und Grünen.

Mehr Ausländer, weniger Einbürgerungen

Die Mitglieder der größten Gruppe der Eingebürgerten trugen vorher die türkische Staatsangehörigkeit (59). Mit weitem Abstand folgen Kosovaren und Serben (zusammengefasst 9). Auffällig ist die Statistik in einem Punkt: Die größten der insgesamt 22 Bevölkerungsgruppen stellen nicht die stärksten Fraktionen der Eingebürgerten: So leben in Delmenhorst (Stand: 23. Januar) 1290 Polen. Die deutsche Staatsangehörigkeit haben 2014 aber nur fünf angenommen. Das gleiche Bild bietet sich bei Bulgaren (538 Personen, 2 Einbürgerungen), Griechen (264, 7), Russen (257, 1) Syrern (232, 3), Ukrainern (206, 5) oder Irakern (164, 2). Die Ausnahme bilden die Türken, die nach wie vor größte Gruppe (2461).

Insgesamt leben nach Angaben der Stadt in Delmenhorst aktuell 8140 Ausländer. 2013 waren es 7160 und im Jahr 2000 fast 6800. Die Zahl der in Delmenhorst lebenden Ausländer nimmt also zu, wohingegen die der Einbürgerungen immer weiter abnimmt.

Damit folgt Delmenhorst dem landesweiten Trend: Wuchs die Zahl der in Niedersachsen lebenden Ausländer Ende 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 33600 auf 525690 Ausländer, verzeichnete das Land insgesamt 8216 Einbürgerungen. Das sind gut 300 weniger, als noch im Jahr 2012.

Wie indes die einzelnen Zahlen zu bewerten sind, steht auf einem anderen Blatt. In Deutschland aufgewachsene Kinder ausländischer Eltern müssen sich zwischen 18 und 23 Jahren entscheiden, ob sie Deutsche bleiben und damit die Staatsangehörigkeit ihrer Eltern aufgeben wollen. Diesen „Optionszwang“ möchte die Regierungskoalition aus CDU und SPD allerdings kippen. Wie dieses im Detail aber aussieht, ist noch unklar .

Die Zahlen legen nahe, dass türkischstämmige Delmenhorster die Staatsangehörigkeit ihrer Eltern annehmen oder beibehalten, auch wenn sie in der Bundesrepublik aufgewachsen sind.

Flüchtlinge aus Kriegsgebieten oder Personen aus den ehemaligen Ostblockstaaten werden vergleichsweise selten eingebürgert.