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Einzelhandel in Delmenhorst Appell an Delmenhorster Kaufleute: Macht mehr online!

Von Michael Korn | 26.04.2017, 18:21 Uhr

Einzelhandelsexperten raten Delmenhorster Kaufleuten zu deutlich mehr Online-Präsenz ihrer Geschäfte, um nicht von der Bildfläche zu verschwinden. Dies ist ein zentrales Ergebnis des neuen Einzelhandelskonzeptes.

Die Delmenhorster Kaufmannschaft muss sich gegenüber Kundschaft deutlich moderner und serviceorientierter im Internet präsentieren, will sie nicht den Wettlauf gegen den zunehmenden Online-Handel verlieren. Das ist eine Schlüsselerkenntnis des neuen Einzelhandelsgutachtens für Delmenhorst, das die Lübecker Firma Cima am Dienstag dem Planungsausschuss präsentiert hat. „Die Chancen des ergänzenden Online-Handels sollten zukünftig eine wichtige Rolle bei der Profilierung und Positionierung als Einkaufsstandort spielen“, appellierte Projektchef Martin Kremming an die hiesigen Geschäfte.

Als Einkaufsstandort Potenzial

Trotz Kaufkraft-, Umsatz- und Zentralitätsverlusten in den vergangenen Jahren durch zunehmende Leerstände (etwa Hertie) und Konkurrenz aus dem Umland hat Delmenhorst als Einkaufsstandort nach Ansicht von Cima Potenzial: Die steigende Bevölkerungszahl in Delmenhorst sorge auch zukünftig für konstante Rahmenbedingungen im Einzelhandel, insbesondere hinsichtlich der Nachfrage. Der zunehmende Online-Handel stelle die größte Herausforderung im Verdrängungswettbewerb für den stationären Handel darstellt. Der stationäre Handel werde immer häufiger zum reinen Ausstellungsraum: Ein Ladengeschäft zum echten Fühlen, Erleben und Kontakt mit dem Produkt und einer persönlichen Beratung sowie die vorgelagerte Informationsmöglichkeit und anschließende Bestellmöglichkeit im Netz. Im Idealfall gelingt es dem stationären Händler, dass der Kunde am Ende bei ihm kauft – offline im Laden oder online. Darüber hinaus muss die Attraktivität der Innenstadt nicht nur als Einkaufsort, sondern auch als Erlebnis- und Wohlfühlstandort weiter erhöht werden.

Lebensmittel, Möbel, Bau- und Gartenwaren stark

In Anbetracht des starken Wettbewerbsumfelds kann es Delmenhorst laut Cima zugutegehalten werden, dass dennoch absolut gesehen ein relativ hoher Kaufkraftzufluss in die Kommune erzielt werden kann. In der Einzelbetrachtung der Warengruppen werde jedoch deutlich, dass diese insbesondere in den Bereichen Nahrungs- und Genussmittel, Möbel sowie Bau- und Gartenbausortimente erzielt werden. Eher ungewöhnlich seien die Abflüsse im Bereich Gesundheit und Körperpflege.

Gutes Erscheinungsbild

Ziel sollte es sein, Ansiedlungen prioritär in der Innenstadt vorzunehmen und nachfolgend in den Nahversorgungszentren. Insgesamt biete die Innenstadt ein gutes Erscheinungsbild (Stadtmöblierung, Straßenbelag) in der umgebauten Langen Straße. Die Positionierung im klassisch zentrenrelevanten Sortiment Bekleidung/ Wäsche sei gut. Generell seien großzügige entwicklungsfähige leer stehende Flächen vorhanden. Aber es bestehe Verbesserungsbedarf bei der Gestaltung der Ladenfronten und Fassaden.

Viele ebene Ladenzugänge

Beim barrierefreien Einkaufen zeige sich für Delmenhorst insgesamt ein erfreuliches Bild. Die meisten Betriebe liessen sich ebenerdig erreichen und verfügten über ausreichend breite Gänge und Wendemöglichkeiten. Kriterien, die mehrheitlich nicht erfüllt werden (Orientierungshilfen auf dem Boden sowie Kennzeichnung der Stufen), könnten durch kleinere Maßnahmen kurzfristig und kostengünstig angepasst werden.