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Einzeln, aber nicht allein Delmenhorster Jobcenter setzt auf Einzelberatungen

Von Frederik Grabbe | 26.08.2015, 09:06 Uhr

Oft geht es nur um Grundlegendes, doch für sie ist es ein großer Kraftakt: Der Bildungsträger Tertia arbeitet mit dem Jobcenter an einer neuen Einzelbetreuung für junge Leistungsbezieher.

Zum Arzt gehen, Termine einhalten, Rechnungen bezahlen: Punkte, die eigentlich zu alltäglichen Aufgaben gehören und selbstverständlich scheinen. Doch für einige Menschen bedeuten sie Aufgaben, die kaum zu bewältigen sind. Der Bildungsträger Tertia bietet im Auftrag des Jobcenters Delmenhorst seit dem Frühjahr eine individuelle Beratung für junge Erwachsene unter 25 Jahren an, die sie in den vermeintlichen Grundlagen wieder fit machen soll. Das Fernziel ist, sie wieder in Arbeit zu bringen.

Hilflos und mutlos

Thomas (Name geändert) hat seit seinem Hauptschulabschluss ein kaum strukturiertes Leben geführt. Er hat verschiedene Ausbildungen begonnen und wieder abgebrochen, hatte einen Teilzeitjob, bei dem ihm gekündigt wurde. „Ich habe Depressionen“, sagt der 23-Jährige. Wegen seiner Krankheit habe er sich zu hilflos und mutlos gefühlt, sein Leben wieder in die Hand zu nehmen. Sich selbst einzugestehen, dass er ein Problem hat und Hilfe braucht, war ein weiter Weg für ihn.

„Wir erreichen eine bestimmte Gruppe einfach nicht mehr“

Der junge Mann ist arbeitslos und Leistungsbezieher beim Jobcenter. Nach einer Reihe von Gruppenmaßnahmen, in denen er keinen rechten Sinn sah, gelangte er zu Tertia. Der Bildungsträger betreut seit dem Frühjahr junge Menschen, zu denen das Jobcenter den Kontakt verloren hat. „Eine bestimmte Gruppe an Kunden erreichen wir nicht mehr. Sie besuchen die Maßnahmen nicht und kommen auch nicht zur Beratung“, sagt Ela Wemken, Teamleiterin U25 beim Jobcenter. Oft lägen sogenannte Vermittlungshemmnisse vor: Drogenprobleme, Schulden, psychische Störungen oder zum Beispiel Straffälligkeit.

Ängste nehmen und anleiten

Das mobile Coaching von Tertia, das ab November um neun Monate verlängert wird, soll diese Gruppe der Bezieher besser erreichen, indem sie persönlich aufgesucht werden. „Manche sind psychisch so beeinträchtigt, dass sie gar nicht mehr vor die Tür gehen“, schildert die Betreuerin Angelika Weber (56). „Ich versuche unter anderem, in Einzelgesprächen Ängste zu nehmen, die Teilnehmer anzuleiten, selbst Termine bei Beratungsstellen zu vereinbaren und einzuhalten.“ Klappen diese Grundlagen, zeigen sie Weber, dass der Teilnehmer an Eigenständigkeit gewonnen hat. Ein wichtiger Schritt, soll er irgendwann wieder einer Arbeit nachgehen.

Die Ziele sind gesetzt

„Mit jedem Tag wächst die Erkenntnis, dass ich selbst etwas schaffen kann“, sagt Thomas. Er möchte eine Therapie gegen die Depression beginnen, in die Nähe seiner Tochter bei Hannover ziehen und als Staplerfahrer arbeiten. „Ich möchte mit meinem Leben besser klar kommen. Und meinem Kind ein guter Vater sein.“