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Emotionale Interviews Delmenhorster Institut blickt auf Krippen

Von Marco Julius | 27.04.2015, 18:51 Uhr

Mit der Frage, wie hoch die Qualität der Krippenbetreuung in der Stadt ist, beschäftigt sich aktuell das Delmenhorster Institut für Gesundheitsförderung.

Anna Stumpe vom Delmenhorster Institut für Gesundheitsförderung (DiG) gibt die Richtung vor: „Uns interessiert, was Erzieherinnen in der Krippe fühlen.“ Im Auftrag der Stadt geht das Institut derzeit der Frage nach, wie hoch die Qualität in der Krippenbetreuung ist – und wo sie vielleicht noch verbessert werden kann. Gestartet ist das Projekt bereits 2013, da ging es zunächst um die städtische Kindertagesstätte. Im Herbst vergangenen Jahres sind weitere sieben Krippen hinzugekommen.

Dr. Johann Böhmann, Leiter des DiG, sagt: „Es geht hier um ganz vermintes Gelände. Wie ist die Haltung der Menschen zu Krippen? Die Haltung der Erzieherinnen, aber auch die Haltung der Eltern.“

Emotionale Interviews

Mit einer innovativen Methodik, die keine Antworten vorgibt, befragt das Institut bis Ende des Monats 32 Erzieherinnen und einen Erzieher, sowie 29 Eltern, darunter ein Vater. Das sei mitunter emotional, die Erzieherinnen seien sehr offen, sagt Stumpe. Ausgehend von der Annahme, dass eine sichere Bindungsbeziehung zu einer Erzieherin für Krippenkinder die Grundlage gelingender Bildung ist, fokussiert das Krippenprojekt Bindungsfaktoren für das Zustandekommen einer solchen Bindungsbeziehung. „Die innere Einstellung von Erzieherinnen und Eltern ist uns dabei wichtig“, sagt Stumpe. Aber auch der Umgang mit Stress sei dabei Blick.

Konflike im Alltag

Ein erstes Ergebnis: Rund die Hälfte der Erzieherinnen ist der Meinung, dass Kinder im ersten Lebensjahr „nach Hause gehören“. Die andere Hälfte sagt, wo die Kinder betreut werden, sei irrelevant, solange Sicherheit und Geborgenheit garantiert seien. Je älter das Kind, desto unterschiedlicher und differenzierter das Meinungsbild. „Das Mütter, die Kinder in die Krippe bringen, oft noch ein schlechtes Gewissen haben, wird auch deutlich“, sagt Böhmann. Das führe zu Konflikten im Alltag.

Nicht nur mehr, sondern gute Plätze

Beim Ausbau des Krippenangebots müsse nicht nur auf Quantität, sondern auch auf Qualität geachtet werden. „Das gilt für die Gebäude und das Personal.“ Das sieht auch Erwin Drefs von der Lebenshilfe als Vertreter der Träger so. „Wir wollen nicht nur mehr Plätze, wir wollen gute Plätze bieten.“ Die Erkenntnisse der Studie, die laut Böhmann deutschlandweit Erkenntnisse liefern könne, könnten etwa bei Bewerbungsgesprächen helfen. Vorgestellt werden sollen die Ergebnisse am 9. Juli, 18.30 Uhr, in der Markthalle. In Workshops wird seit gestern eine Gruppe von Erzieherinnen besonders geschult. Für Böhmann nehmen Erzieherinnen in Krippen eine wichtige Stellung in der Bildung ein. Ihr Standing, ihre gesellschaftliche Anerkennung sei aber bei weitem nicht so gut wie etwa das eines Gymnasiallehrers.

Lob für Arbeit der Erzieherinnen

Auch Fachbereichsleiter Rudolf Mattern erhofft sich von der Studie Erkenntnisse. Sein Dank richtet sich an die Erzieherinnen, die an dem Projekt so offen teilnehmen und die hervorragende Arbeit leisteten.