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Emotionen im Schulausschuss Delmenhorster Schüler und Eltern wollen um ihre Schulen kämpfen

Von Marco Julius | 13.11.2018, 22:06 Uhr

Wird es mittelfristig noch eine Haupt- und eine Realschule geben? Wie soll sich die Schullandschaft der Stadt entwickeln? Die Debatte startet jetzt durch.

Mit Gegenwind hat Fachbereichsleiter Hero Mennbäck bereits im Vorfeld der Sondersitzung des Schulausschusses gerechnet. Und den gab es dann auch. Rund 200 Bürger der Stadt, darunter viele Eltern, Schulkinder und Lehrer vor allem mit Bezug zur Haupt- oder Realschule, haben die Sitzung am Dienstagabend genutzt, um für ihre Interessen einzustehen. Der überwiegende Teil machte früh klar, dass er mit dem Verwaltungsvorschlag, die Real- und Hauptschule zugunsten einer weiteren Oberschule auslaufen zu lassen, rein gar nichts anfangen kann. „Finger weg von unserer Schule“, „Die Lilie darf nicht sterben“, das waren nur einige der Plakate, die als Zeichen des Protests im Vorfeld gefertigt worden waren.

Beschlussvorschlag schnell vom Tisch

Der Beschlussvorschlag als Fazit des von der Verwaltung vorgelegten Schulentwicklungsplanes war dann auch recht früh vom Tisch, zumindest vorerst. Die Gruppe SPD & Partner und die UAD hatten einen Antrag formuliert, an diesem Abend im Commedia noch nicht abzustimmen, sondern die vorgeschlagenen Varianten weiter zu prüfen und zu erweitern – um bis zu den Osterferien 2019 eine Entscheidung fällen zu können. Der Ausschuss stimmte geschlossen zu, erstmals brandete lauter Applaus auf.

Markus Pragal, Erster Stadtrat, betonte, der Antrag sei sogar im Sinne der Verwaltung. Man habe nicht damit gerechnet, schon in der ersten Sitzung zu einem Ergebnis zu kommen. Es sei vielmehr darum gegangen, die Diskussion in Gang zu setzen.

Laute Buhrufe und Zwischenrufe wie „Schwachsinn“ oder „So ein Scheiß“ kamen dann aus dem Publikum, als Mennebäck die Variante vorstellte, die ein Ende von Haupt- und Realschule vorsieht. „Es war klar, dass das mit dem Applaus auch mal vorbei geht“, sagte der Fachbereichsleiter.

Debatte emotional

Die anschließende Debatte im Ausschuss und die darauf folgende Einwohnerfragestunde machte deutlich, wie emotional die Debatte ist, sie zeigte aber auch auf, wie komplex das Thema Schulentwicklung ist. Die CDU brachte eine eigene Variante ein, die einen der Vorschläge der Verwaltung weiterführte. Frauke Wöhler machte für ihre Fraktion klar, dass Haupt- und Realschule erhalten werden sollen. Die Realschule habe eine hohe Akzeptanz. Eine der Oberschulen solle zudem einen gymnasialen Zweig erhalten. Die „Vielfalt der Schullandschaft“ will auch Uwe Dähne (UAD) erhalten wissen, „um den vielfältigen Potenzialen der Schulkinder gerecht zu werden und um eine Überforderung und Unterforderung zu vermeiden“.

Sondersitzung im Januar

Gabi Baumgart (SPD) regte an, über die Einrichtung einer zweiten IGS nachzudenken. Edith Belz (Die Linke) betonte in dem Wissen, an diesem Abend eher keinen Beifall zu bekommen, dass „Vielfalt nicht immer nur Vorteile hat“. Ihr Vorschlag: Erweiterung der IGS, Real- und Hauptschule zur Oberschule machen. „Wir wollen, dass Kinder möglichst lange gemeinsam lernen.“

Für eine zweite IGS warb auch Axel Unger (Bürgerforum/Freie Wähler/Unger). Die Oberschule sei nur eine IGS light, da könne man besser aufs Original setzen. „Die IGS ist fast überall ein Erfolgsmodell.“ Alle Schulformen anzubieten, könne sich eine Kommune nicht leisten, sagte Unger mit Blick auf die Realschule.

Im Januar soll es eine weitere Sondersitzung geben, kündigte Pragal an. Die Diskussion von Dienstagabend werde einfließen in die Beratung. Auch der zwischenzeitlich eingeschlafene Arbeitskreis Schulentwicklung soll vorab noch einmal tagen.