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Empfang im Hanse-Wissenschaftskolleg Blitzvorträge zeigen große Bandbreite der Denkfabrik

Von Dirk Hamm | 02.02.2019, 14:32 Uhr

Ein „Scientific Slam“ mit wissenschaftlichen Kurzvorträgen hat faszinierende Einblicke in die Forschungsprojekte am Hanse-Wissenschaftskolleg geboten. Die neue Rektorin Prof. Kerstin Schill war erstmals Gastgeberin des Neujahrsempfangs.

Ein wissenschaftlicher Rückzugsort, ein Raum der Ruhe und Kontemplation, das ist das Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) für Forscher aus aller Welt. Am Freitagabend jedoch erwies sich die Denkfabrik, eines von weltweit zwei Dutzend renommierten „Institutes for Advanced Study“, vorübergehend als ein pulsierender Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt. Zum Neujahrsempfang des HWK pilgerten zahlreiche geladene Gäste, darunter Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Kultur, zum Lehmkuhlenbusch in Deichhorst, wo das gemeinsam von Niedersachsen, Bremen und Delmenhorst gegründete Institut seit etwas mehr als 20 Jahren beheimatet ist.

Gespräche in besonderer Atmosphäre

Im dichten Gedränge im Atrium des Hauses, in dem die extravaganten Lichtinstallationen der Künstlergruppe Raum-Zeit-Piraten wieder eine besondere Atmosphäre schufen, ergab sich die Möglichkeit zu zahlreichen Gesprächen. Manche waren zum ersten Mal beim Neujahrsempfang zu Gast, andere wie Dr. Michael Adam sind seit zwei Jahrzehnten und mithin von Anfang an dabei, wenn das HWK einlädt.

Für den Ratsherrn, der mit der Delmenhorster Universitätsgesellschaft schon die Gründungsphase des HWK begleitet hat, ist die Einrichtung ein „Leuchtturm“. Bedauerlich sei, dass das nicht überall in der Stadt bekannt sei: „Das HWK hat international einen hervorragenden Ruf. Leider sehen das die Delmenhorster nicht immer so.“

Neue Rektorin auf der Brücke

Zum ersten Mal wurden die Gäste des Neujahrsempfangs von Prof. Dr. Kerstin Schill begrüßt, sie ist die dritte Rektorin in der Geschichte des HWK. „Viele Jahre hat Reto auf der Brücke gestanden“, sagte Schill und meinte damit ihren Vorgänger Reto Weiler, der ebenfalls unter den Gästen weilte. Erst vor wenigen Monaten hatte sie den schweizer Neurobiologen als Rektorin abgelöst.

Schill, selbst Professorin für Kognitive Neuroinformatik, sprach von einer „großen Ehre, Freude und Herausforderung“, das HWK zu leiten. Es handele sich um einen Ort der Wissenschaft, an dem exzellente, ausgewählte Wissenschaftler aus vielen Ländern interdisziplinär forschen, sich austauschen und gemeinsam leben können. Im vergangenen Jahr habe das HWK 42 Fellows, also Wissenschaftler, die für eine bestimmte Zeit an diesem Ort mit seinen idealen Bedingungen ein Forschungsvorhaben vorantreiben, aus 14 Ländern beherbergt, berichtete Schill. 143 internationale Tagungen habe das HWK mit seinen Forschungsbereichen Neuro-, Erd-, Energie- und Gesellschaftswissenschaften 2018 veranstaltet.

Vom Ozeanboden bis zum Weltraum

Spannende Einblicke in einige der Forschungsprojekte bot eine Neuerung beim diesjährigen Neujahrsempfang. Denn im Hörsaal lauschten die Gäste nicht wie sonst einem Vortragenden, sondern in einer Reihe von Kurzvorträgen stellten mehrere Fellows ihre Arbeitsgebiete vor – ein Scientific Slam, wie Schill diese auf Englisch mit kurzen Einführungen auf Deutsch gehaltenen Mini-Präsentationen bezeichnete. So wurde die große Bandbreite der Forschungen im HWK deutlich, von der Erforschung des Ozeanbodens bis zur Materialforschung für zukünftige Marsflüge und vom Jahrtausende alten Zusammenleben von Mensch und Hund bis zu den revolutionären Umbrüchen im Russland des Jahres 1917.