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Empfang zum Frauentag Starkes Zeichen für die Gleichberechtigung in Delmenhorst

Von Frederik Grabbe | 11.03.2017, 15:45 Uhr

Die Ungleichheit zwischen Mann und Frau war Zentrum des Empfangs zum Internationalen Frauentag in der Markthalle. Hierzu hatte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Petra Borrmann, eingeladen.

Noch immer haben Frauen ein geringeres Einkommen als Männer, und noch immer erhalten Frauen weniger Rente: Um auf die Ungleichheit zwischen Mann und Frau hinzuweisen, haben am Samstag die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Petra Borrmann, und verschiedene politische Akteure aus Delmenhorst zum traditionellen Empfang anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März in die Markthalle eingeladen.

Frauen wenden mehr Zeit für die Familie auf, während Männer Karriere machen

 (Weiterlesen: Arbeitsmarkt in Delmenhorst: Gleichberechtigung ein Problem) 

„68 Jahre, nachdem im Grundgesetz die Gleichheit von Mann und Frau festgeschrieben wurde, gibt es 2017 noch immer viele Ungleichheiten – und die sind lange nicht mehr zu rechtfertigen“, leitete Borrmann den Empfang ein. Sie wies unter anderem auf Mini-Jobs oder Teilzeittätigkeiten hin, die typischerweise eher von Frauen besetzt sind. „Die Hälfte aller berufstätigen Frauen in Deutschland arbeiten in Teilzeit, während ihre Männer Karriere machen, wenden Frauen deutlich mehr Zeit für unbezahlte Tätigkeiten im Haushalt, für die Kindererziehung oder für die Pflege von Angehörigen auf.“ Gleichzeitig liege der durchschnittliche Stundenlohn für eine Frau 21 Prozent unter dem eines Mannes. „Frauen müssten statistisch gesehen 77 Tage im Jahr länger arbeiten, um diese Einkommenslücke abzudecken“, so Borrmann. Zudem seien alleinerziehende Frauen besonders häufig Empfängerinnen von Hartz IV, „das Armutsrisiko für Kinder von Alleinerziehenden ist dreimal höher, als für Kinder, die mit beiden Elternteilen aufwachsen“, unterstrich Borrmann.

„Armut im Alter ist weiblich“

Dass Armut für viele Frauen im Alter eine Bedrohung sei, zeige sich bei der Rente: Das geringere Einkommen und die oftmals zeitlich reduzierte Beschäftigung wirke sich auf die Rente, den Spiegel der Erwerbstätigkeit im Alter, aus. „2014 erhielten westdeutsche Männer im Schnitt 994 Euro Rente im Monat. Westdeutsche Frauen hingegen bekamen 42 Prozent weniger“, legte Borrmann dar. „Wir sehen also: Die Armut im Alter ist weiblich. Und bei der aktuellen Scheidungsrate ist ein Mann auch keine gute Altersvorsorge.“

Lösungen, die über gesetzliche Bestimmungen hinaus gehen

Lösungen sehe die Gleichstellungsbeauftragte in der Familienarbeitszeit, in der finanziellen Aufwertung bestimmter Frauenberufe, beispielsweise durch das geplante Pflegeberufegesetz, oder das Bundesgesetz für mehr Lohngerechtigkeit. Doch Gleichstellung gehe über gesetzliche Bestimmungen hinaus. Sie müsse auch von Einzelnen angenommen werden. Etwa, wenn Väter vermehrt in der Erziehungszeit „ihren Mann stehen“, wie Borrmann sagte.

Empfang Teil einer Veranstaltungsreihe zur Armut

Der Empfang war Teil der Veranstaltungsreihe „Mein Stück vom Kuchen. Sind wird arm? Sind wir reich?“ des Aktionsbündnisses Akima . Er wurde mitgestaltet durch die Gewerkschaft Verdi, den DGB, die Frauenunion, die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen und durch Ratsfrauen der SPD, CDU, der Linken und der Grünen.

Nach dem Vortrag trat das Bremer Improtheater auf, das auf humorige Art und Weise die Gleichstellung auf die Schippe nahm.