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Ende der krummen Summen Buchhändler vor Ort freuen sich über runde Preise

Von Marco Julius | 22.04.2016, 13:37 Uhr

19,99 Euro für ein Buch? – Diese Zeiten könnten bald vorbei sein. Erste Verlage kündigen zur Freude des hiesigen Buchhandels glatte Summen an.

Der Buchhandel atmet auf. Die Verlage kommen einer Forderung nach, die die Branche schon seit langer Zeit vehement vorträgt. Die krummen Summen bei Buchpreisen sollen verschwinden. 19,99 Euro für das Hardcover: Geschichte. 9,99 Euro für ein Taschenbuch: vorbei. Namhafte Verlage wie Dumont, S. Fischer und Bastei Lübbe werden mit dem Herbstprogramm runde Summen auf ihre Bücher schreiben. Diogenes ist bereits vorgeprescht. Die Buchhändler selbst haben übrigens keinen Einfluss auf die Buchpreise, das regelt das Buchpreisbindungsgesetz. Es sind die Verleger, die entscheiden.

„Überfällige Entscheidung“

Iduna Tiedemann, Leiterin der Decius-Filiale an der Langen Straße, freut sich über die „überfällige Entscheidung“. „Es geht vor allem um die Wertigkeit des Buches, die durch krumme Preise wie im Supermarkt diskreditiert wird“, ist sie überzeugt. „Die runde Summe ist elegant, das passt besser zum Buch“, sagt sie.

Discountpreise passen nicht zu Büchern

Dass mit den runden Summen auch das Wechselspiel mit Kleingeld weniger wird, freut Buchhändlerin Sabine Jünemann von der gleichnamigen Buchhandlung. Sie freut sich ebenfalls über die Entscheidung der Verlage und hofft, dass weitere Verlage dem Beispiel folgen. Auch sie betont die „Wertigkeit des Kulturgutes Buch“, zu dem die an Discountpreise erinnernden Preise nicht passten. Dass das „lästige Hantieren mit Kupfermünzen“ wegfalle, sei ein zusätzlicher Bonus. Weiterlesen: Zwei Wochen ohne Kleingeld – Wie dick wird das Portemonnaie?

„Ein wenig lächerlich, Ein-Cent-Münzen herauszugeben“

Auch für Maren Hinrichs, Mitarbeiterin der Buchhandlung Lesezeichen Dauelsberg, ist die Entscheidung der Verlage ein Gewinn: „Es geht vor allem um die Wertigkeit des Buches. Es ist immer ein wenig lächerlich, Ein-Cent-Münzen herauszugeben.“ Dass das Hantieren mit kleinen Münzen wegfalle, sei aber nur ein Randaspekt, vor allem sei die Entscheidung zu begrüßen, weil sie den Wert des Buches hervorhebe.

Krumme Summen nur Psychologie

Gustav Förster, Inhaber der Buchhandlung Förster in Ganderkesee, ist ebenfalls froh darüber, dass die Beträge hinterm Komma wegfallen sollen. „Tankstellenpreise sind bei Kulturgütern einfach nicht angebracht“, macht er seine Position deutlich. „9,90 Euro, das war bei Buchhändlern nie beliebt, das war schon immer lächerlich“, sagt er. Mit einem Augenzwinkern ergänzt er: „Nur der Bäcker nebenan hat sich immer gefreut, wenn ich ihm mein Wechselgeld geben konnte.“ Förster begrüßt es auch, dass mit den runden Summen auch eine leichte Erhöhung des Buchpreises möglich sei. „Die Preise waren lange stabil, sie stagnierten, die Buchhändler mussten das auffangen.“ Für ihn ist klar: „Die krummen Summen sind nur Psychologie. Und Verlage haben sich zudem einfach lange nicht getraut, die magische Grenze von 10 und von 20 Euro zu knacken.“ Weiterlesen: Delmenhorst will (noch) nicht auf Kleingeld verzichten

„Wer ein Buch kaufen möchte, der zahlt den Preis“

Die hiesigen Buchhändler sind sich einig, dass die Kunden die runden Summen von den Kunden mitgetragen und begrüßt werden, selbst wenn vielleicht der ein oder andere Cent mehr gezahlt werden müsse. „Auch hier zählt das Argument der Wertigkeit. Wer ein Buch kaufen möchte, der zahlt den Preis“, sagt Iduna Tiedemann. Buchkäufer ließen sich durch krumme Zahlen hinter dem Komma, die einen niedrigeren Preis vorgaukeln sollen, nicht täuschen.

Ein Nebeneffekt des Wegfalls der krummen Summen: Es könnte die Bestrebungen, Cent-Münzen ganz abzuschaffen, befeuern.