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Ende einer Ära an Bahnhofstraße Delmenhorster Friseursalon Segelken gibt auf

Von Dirk Hamm | 18.12.2015, 18:31 Uhr

Adolf Segelken gibt seinen Friseursalon an der Bahnhofstraße aus gesundheitlichen Gründen zum Jahresende auf. Das Traditionsgeschäft war vor 120 Jahren eröffnet worden.

An der Bahnhofstraße geht eine Ära zu Ende: Nach 120 Jahren schließt der Friseursalon Segelken am letzten Tag des Jahres für immer seine Pforten. Von wem und wie das Geschäfts- und Wohngebäude, das Inhaber Adolf Segelken nach eigenen Angaben komplett verkauft hat, künftig genutzt wird, ist noch nicht bekannt.

Der 75-Jährige hatte das Familienunternehmen am 1. Juli 1970 in dritter Generation übernommen. Dass in Kürze die Geschichte des Traditionssalons endet und zugleich das Haus an der Bahnhofstraße 29, in dem er aufgewachsen ist, seinen Besitzer wechselt, fällt dem Friseurmeister sichtlich nicht leicht: „An dem Haus hängen viele Erinnerungen.“

Zuletzt nur noch Aushilfen im Herren- und Damensalon

Eine Serie von gesundheitlichen Rückschlägen nennt Adolf Segelken als Grund für seinen Entschluss. „Seit 2009 konnte ich nicht mehr selbst im Geschäft stehen. Ich hätte den Salon gerne noch weitergeführt, aber es geht nicht mehr“, sagt der Enkel des Geschäftsgründers. Auch sei ein Teil der Kundschaft in den vergangenen Jahren abgewandert. Zuletzt war das Geschäft nur noch bis Mittag geöffnet, ausschließlich Aushilfen bedienten im Herren- und Damenbereich.

Als er den Salon von seiner Mutter, Anna Segelken, übernahm, brummte das Geschäft noch, berichtet das Urgestein der Geschäftswelt an der Bahnhofstraße: „Im Damensalon hatten wir fünf Angestellte. Die Stühle waren immer von vorne bis hinten besetzt.“

Immerhin ist ein Stamm an Kunden bis zuletzt treu geblieben. „Alle sind ganz traurig“, sagt Adolf Segelken. „Viele sind auch von weiter weg zu uns gekommen, aus Hude, Bookholzberg oder Brettorf.“

Nach Gründung 1895 seit 1905 am jetzigen Standort

Eine Anzeige im Delmenhorster Kreisblatt verkündete am 29. November 1895, dass an der damaligen Großen Kirchstraße 27 der „Barbier, Friseur und Perrückenmacher“ Adolf Segelken einen „Rasir-, Frisir- und Haarschneidesalon“ eröffnet hat. Im Jahr 1905 erfolgte der Umzug an den jetzigen Standort. Der Geschäftsgründer heiratete 1897 Marie Reindl, die 1900 erste Friseurmeisterin in Delmenhorst wurde. „Sie ging noch mit dem Onduliereisen von Haus zu Haus und hat die Wellen nachgedrückt“, weiß der Enkel aus den Familienerzählungen.

Nach dem Tod Adolf Segelkens übernahm dessen gleichnamiger Sohn den Salon, und nachdem der Kriegsteilnehmer vermisst blieb, führte seine Frau Anna das Geschäft weiter.

Einmal auch einen Star im Salon bedient

Zu einer Übernahme durch die vierte Generation ist es nun nicht gekommen. Adolf Segelkens Sohn Adolf-Kai ist ebenfalls Friseurmeister, er führt sein eigenes Geschäft in Bremen und ist außerdem als Gutachter für die Handwerkskammer tätig.

Die Lage des Salons hat einmal auch einen sehr prominenten Gast hereinschneien lassen, erinnert sich Adolf Segelken: Hazy Osterwald, legendärer Bandleader der Wirtschaftswunderzeit, nächtigte vor einem Auftritt in der Delmehalle nicht weit entfernt im City-Hotel. Da der Star seinen Rasierer vergessen hatte, beehrte er den Salon Segelken und ließ sich dort rasieren und frisieren.