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Entkernung läuft, Perspektive fehlt Delmenhorster Hertie-Investor stellt Mieter-Suche ein

Von Thomas Breuer | 04.09.2017, 20:01 Uhr

Die Entkernung der Hertie-Immobilie ist angelaufen. Derweil liegen die Anstrengungen, neue Mieter zu finden, seitens des Investors auf Eis.

Dass im Inneren des Hertie-Gebäudes etwas passiert, sollen die Anlieger möglichst nicht merken. Der Abtransport von Schutt und ausgedienten technischen Anlagen soll, ebenso wie der Rückbau nicht tragender Wände, möglichst geräuschlos vor sich gehen. So ist es von der Deutschen Immobilien Holding (DIH) als Eigentümerin der Immobilie vorgegeben worden, so will es der Delmenhorster Abbruchunternehmer Carsten Christmann umsetzen.

„Im Moment unternehmen wir nichts und entkernen.“

Bis Ende Dezember sollen die rund eine Million Euro teuren Arbeiten abgeschlossen sein. Was danach kommt, steht weiter in den Sternen. Werner Uhde, Aufsichtsratsvorsitzender der DIH, sagte am Montag auf Nachfrage zum Werben um Mietinteressenten: „Im Moment unternehmen wir nichts und entkernen.“

Uhde hat sich festgelegt, verlangt von der Politik ein Votum, dass zusätzliche Parkplätze, etwa am Vorwerk, möglich sind. „Jetzt muss die Politik entscheiden“, sagt er und wird deutlich, auch wenn seine Wortwahl zurückhaltend ausfällt: „Wir sind etwas erstaunt, dass die Vielzahl der Argumente nicht fruchtet.“

So etwa die Forderungen pro Parkdeck, wie sie jüngst von Christian Wüstner, Sprecher der City-Kaufleute, kamen. Er hatte im Namen seiner Kollegen eine Aufstockung am Vorwerk eingefordert, um dem Handel in der östlichen Innenstadt eine dauerhafte Perspektive zu geben.

Kupfermarder haben sich schon bedient

Die seit Mitte August laufende Entkernung der Hertie-Immobilie, die über die Bebelstraße erfolgt, soll den Weg ebnen für eine Nachnutzung unter weitgehender Berücksichtigung der Mieterwünsche. Die Fragen, wie und ob es hinter der Betonfassade weitergeht, wenn der Rat den Wünschen des Investors nicht entspricht, lässt Uhde derzeit unbeantwortet.

Unterdessen geht es im Gebäude voran: Die Kupfermarder, wie Carsten Christmann sie nennt, haben mutmaßlich reiche Beute gemacht. Überall im alten Hertie-Haus ragen gekappte Leitungen aus Wänden oder Decken, die Isolierungen sind abgerissen und unter anderem in die frühere Damengarderobe entsorgt worden. „Ich weiß nicht, wann das passiert ist“, sagt der Abbruchunternehmer. Nach dem 14. August jedenfalls nicht. Da hat sein Unternehmen von der DIH den Auftrag zur Entkernung der Immobilie bekommen und umgehend sämtliche Schließzylinder aufgewechselt.

Alle nicht tragenden Wände sollen weichen

Zehn Männer sind es derzeit, die daran arbeiten, das gesamten 70er-Jahre-Bau in den Rohbauzustand zurückzuversetzen. Schon bald sollen es mehr als doppelt so viele sein. Was nicht niet- und nagelfest ist, wird aus dem Gebäude gebracht, dazu werden alle nicht tragenden Kalksandsteinwände beseitigt. Aus seiner Erfahrung der richtige Weg, wie Christmann meint: „Wenn dann jemand einziehen möchte, ist alles schon vorbereitet.“

Das gesamte Gebäude ist nach seinen Worten „sehr, sehr massiv gebaut“. Durch die Stahlbetonrahmenkonstruktion seien Investor und künftige Mieter „in der Gestaltung der Räume sehr frei“.

„Die CD-Abteilung war gut“, sagt der Abrissunternehmer

Christmann, der auch schon den Abriss des Hertie-Parkhauses und früherer Bauten der Caspari-Kaserne im Neuen Deichhorst übernommen hatte, hat für das, was es im Hertie-Haus zu sehen gibt, ein Wort: „Unspektakulär.“ Und doch sind es die Wegweiser an den Rolltreppen, alte Werbeschilder und ein paar verbliebene Einkaufswagen, die Erinnerungen wecken. Auch bei Christmann selbst. Früher, da sei man aus Hude mit der Familie gerne zu Karstadt nach Delmenhorst gefahrne. „Die CD-Abteilung war gut“, sagt er.

Ein Lastenaufzug könnte bald wieder laufen

Jetzt geht es für ihn nur noch darum, als Auftragnehmer die baulichen Voraussetzungen für einen Neubeginn zu schaffen. Um den Abtransport des Materials zu erleichtern, erwägt er, einen der Lastenaufzüge, der 2006 eine neue Steuerungsanlage bekommen habe, wieder in Betrieb zu nehmen.

Um die schweren Edelstahltüren vor den Kühlräumen der einstigen Fleischerei im Haus muss sich Christmann keine Gedanken machen. Auch die sind schon verschwunden, als er noch nicht im Hause tätig war.