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Erfahrungsbericht aus der Kaserne Delmenhorster Schülerinnen unterrichten Flüchtlinge

Von Johanna Luhmann und Johanna Linck | 28.06.2016, 09:43 Uhr

Flüchtlinge haben verschiedene Leistungsniveaus, unterschiedliche Muttersprachen – und sind emsiger Lerner: Diese Erfahrung machten jetzt zwei Schülerinnen des Willms-Gymnasiums.

Im Rahmen einer Projektwoche am Gymnasium an der Willmsstraße haben die zwei Schülerinnen Johanna Luhmann und Johanna Linck Unterricht vor Flüchtlingskindern in der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne gegeben. Ihren Erfahrungsbericht findet das dk so lesenswert, dass es ihn hier veröffentlicht.

Ein Tag in der Kaserne inklusive Unterricht

„Wie einfach es ist, Gutes zu tun, merkt man erst, wenn man es versucht hat. Am Freitag besuchte unsere Projektgruppe „Flüchtlinge in Delmenhorst“ die Delmenhorster Kaserne, in der mittlerweile Flüchtlinge untergebracht sind. Zunächst fanden wir einen leeren Klassenraum vor, sodass wir uns auf unsere bevorstehende Mathestunde vorbereiten konnten. Als die Flüchtlinge nach und nach eintrafen, waren wir bereit für unsere erste Unterrichtsstunde.

Verschiedene Leistungsniveaus, verschiedene Muttersprachen

Vergleichbar mit unseren Erfahrungen in der eigenen Schule war das allerdings nicht. Der Unterricht mit sieben- bis siebzehnjährigen Schülern, die sich alle auf verschiedenen Leistungsniveaus befanden und zudem unterschiedliche Muttersprachen beherrschten, stellte zunächst eine große Herausforderung für uns dar. Je mehr Zeit verging, desto gelassener wurde jedoch jeder aus unserem Projekt, denn trotz der Sprachbarrieren war eine Verständigung möglich.

Schüler werden sprachfreudiger

Das beruhigte uns ungemein und bestärkte uns in dem, was wir taten. Nicht nur wir „Lehrer“ trauten uns mit der Zeit mehr zu, auch unsere Schüler wurden mit der Zeit sprechfreudiger und beteiligten sich rege. Zu Anfang unseres Unterrichts begannen wir mit einer allgemeinen Einführung in das Thema „Gewichte“, welches an diesem Tag „dran war“. Später gaben wir den Flüchtlingskindern Aufgaben zum eigenständigen Bearbeiten und konnten uns im gesamten Raum verteilen, um gesondert auf die Bedürfnisse Einzelner einzugehen. (Weiterlesen: Themenportal Flüchtlinge in Delmenhorst)

Drei Sonderpreise verteilt

Mit der Zeit machten alle Schüler große Fortschritte. Um unseren Unterricht abzurunden, hatten wir ein Schätzspiel vorbereitet, bei dem wir den Kindern und Jugendlichen Gegenstände zeigten, deren Gewicht sie nach eingehender Betrachtung und dem Wiegen in den eigenen Händen schätzen sollten. Nach mehreren Runden standen die ersten drei Plätze fest. Als Preise verschenkten wir drei „Willms-Tassen“ die mit Freude angenommen wurden. (Weiterlesen: Delmenhorster Schüler engagieren sich für Flüchtlinge)

„Haben das Richtige getan“

Nicht nur haben wir den Flüchtlingskindern etwas über Mathe beigebracht, zusätzlich bewahrten wir sie auch noch vor dem angesetzten Englischtest, der allerdings natürlich nur verschoben wurde. Zum Schluss unserer Unterrichtsstunde wurde uns noch einmal mit der Frage „Kommt ihr bald wieder?“ bestätigt, dass wir das Richtige getan hatten. (Weiterlesen: Ehrenamtliche geben Sprachkurs für Flüchtlinge – Deutscher Plural „gemein und völlig unsinnig“)

Am Schluss regiert der Fußball

Den Flüchtlingen und auch uns hat die etwas andere Schulstunde viel Spaß bereitet. Beendet wurde der erfolgreiche Tag mit einem gemeinsamen Fußballspiel. In sprachlich gemischten Teams machten wir mit ordentlichem Teamgeist den Platz unsicher und scheuten auch den aufkommenden Regen nicht.“