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Erhaltenswertes Jugendstil-Geländer Künstlerisches Kleinod auf der Nordwolle in Delmenhorst

Von Franz Cromme | 17.12.2016, 10:48 Uhr

Ein Jugendstil-Kunstwerk schlummert in Gestalt eines alten Brückengeländers vor der Nordwolle. Jetzt ist eine Initiative für dessen Restaurierung gestartet worden.

Weitgehend vergessen, zum Teil überwuchert von Pflanzen und Sträuchern, verbirgt sich ein künstlerisches Kleinod am Wegesrand als Abschirmung und Schutz zur Delme. Im Blickfeld der bundesweit beachteten und außergewöhnlich schön restaurierten Häuser der ehemaligen Arbeitersiedlung an der Pappelstraße erinnert ein elegant gestaltetes schmiedeeisernes Geländer an die lebendige Zeit der Nordwolle.

Kunstvolle Konstruktion des Jugendstils

Das Geländer ist beinahe 100 Jahre alt und zeigt eine kunstvolle Konstruktion des Jugendstils, mit behutsamen Verzierungen, eingepasst in ihre Funktionalität. Aus heutiger Sicht verwundert es den Betrachter, welche Sorgfalt vorige Generationen auf anscheinend unverhältnismäßig dekorative Gestaltungskunst an Brückengeländern verwendeten. Dieses 13 Meter lange Geländer ähnelt den verschachtelten Gittern am 200 Meter entfernten Delmestau, ist demgegenüber aber freistehend und bringt vor allem die spezifischen Ornamente des Jugendstils wirksam zur Geltung.

Bedeutung des Objekts meist übersehen

Die Bedeutung des Objekts wurde wohl nach dem Niedergang der Nordwolle und bei der Neugestaltung des Wolle-Fabrikgeländes von der Öffentlichkeit übersehen, obwohl es allein für sich als Kunstwerk unter Denkmalschutz gestellt werden könnte und müsste. Leider wurden bisher im Stadtarchiv und im Archiv des Industriemuseums keine Unterlagen und Hinweise zu dem Geländer gefunden.

Bei Museums-Außenführung wieder in den Blick gerückt

Das eiserne Jugendstil-Kunstwerk gehört darüber hinaus zu einem größeren äußeren Bereich um das Fabrikgelände der Nordwolle – einem Ensemble vom gärtnerisch gestalteten Wollepark über das nördliche „Widdertor“ und den Delmestau bis zum nordöstlichen Pförtnerhaus. Dieser äußere Bereich wird seit einiger Zeit in regelmäßigen Museums-Außenführungen des ehemaligen Nordwolle-Meisters Rudolf Schewe begangen und erläutert. Bei diesen Rundgängen wurde auch das Jugendstil-Brückengeländer gezeigt und trotz seines schlechten Zustandes von den begeisterten und engagierten Teilnehmern als erhaltungswürdig angesehen.

Restaurierung des Geländers ist technisch möglich

Gespräche und Besichtigungen mit der städtischen Bauverwaltung ergaben, dass auch hier der Wert des Kunstwerks gesehen wird und dass eine Restaurierung des Geländers technisch möglich ist. Zugleich wurde deutlich, dass einerseits eine Sanierung des Geländers in nächster Zeit dringend notwendig ist, dass aber andererseits die Stadt zurzeit nicht genügend finanzielle Mittel für die gleichermaßen erforderliche Beseitigung der benachbarten Betonfläche über der Delme und die Neugestaltung der Umgebung zur Verfügung hat.

Mehrere Akteure haben Initiative ergriffen

Das Bauamt würde schon jetzt den steinernen Sockel des Brückengeländers mit Brücken-Unterhaltungsgeldern sanieren und außerdem die Verkehrsabgrenzung der jetzigen verschmutzten Vorfläche zur Pappelstraße provisorisch besser gestalten können. Die Beseitigung der Betonfläche über der Delme dürfte erst in einigen Jahren möglich sein.

Um das Brückengeländer zu erhalten und als Blickfang wieder herzustellen, haben der Heimatverein, der Förderverein Industriemuseum und der Verband „Frau und Kultur“ es sich zum Ziel gesetzt, den Verfall dieses einzigartigen Jugendstil-Kleinods aufzuhalten und es mit Hilfe der Bevölkerung zu restaurieren.