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Erhebung in Delmenhorst Vor dem neuen H-Gas kommt der Techniker ins Haus

Von Birgit Stamerjohanns | 18.12.2018, 20:42 Uhr

Auch in Delmenhorst steht die Umstellung vom sogenannten L-Gas auf H-Gas bevor. Auf die Kunden kommen die Besuche eines Technikers zu, aber in der Regel keine Kosten.

Kathrin Giesecke ist bestens auf ihren Termin vorbereitet. Das Informationsschreiben der Stadtwerke hat sie schon in der Hand, und Techniker Ingo Schäfer nennt ihr die PIN-Nummer, unter der ihr Haushalt registriert ist. „Die PIN dient als Sicherheit für die Kunden“, erklärt Ingo Schäfer. Sie ist im Computer des Technikers vermerkt und auch auf dem Infoblatt der Stadtwerke, das Kundin Giesecke bekommen hat. Das System soll vor Trick-Betrügern schützen.

19.000 Geräte angesehen

Ingo Schäfer lässt sich die Gastherme der Familie im Erdgeschoss zeigen. „Ich muss erst einmal herausfinden, um welches Modell es sich handelt“, erklärt der Techniker, dessen Unternehmen Enermess von den Stadtwerken mit der Erfassung der Geräte beauftragt ist. Schäfer macht Fotos von der Heizung, lässt Kathrin Giesecke die Heizkörper aufdrehen, misst die Abgaswerte. Bei der Erhebung geht es darum, die relevanten Eigenschaften der Gasverbrauchswerte zu erfassen, wie es in der Infobroschüre der Stadtwerke heißt. „Das ist wichtig, denn für die Umstellung muss für jedes Gerät das passende Umrüst-Set bestellt werden“, so Ingo Schäfer. Bisher haben er und seine Kollegen rund 19.000 Geräte angesehen und dokumentiert.

Ohne Umstellung Schäden an Geräten

Ab dem Jahr 2020 geht es dann an die eigentliche Umrüstung, denn dann ändert sich die Gassorte, die in Niedersachsen und damit auch in Delmenhorst ankommt. Bisher haben die Stadtwerke ihre Kunden mit dem sogenannten low-caloric, kurz L-Gas versorgt. Es wird in Deutschland und den Niederlanden gefördert. Allerdings gehen die Fördermengen zurück, das Gas steht in Zukunft nicht mehr unbegrenzt zur Verfügung. Deswegen soll nun der Wechsel zum high-caloric-Gas erfolgen. Dieses H-Gas ist Angaben der Stadtwerke für die nächsten 200 bis 250 Jahre sicher verfügbar. Das Problem: Die Gasthermen sind auf das bisherige L-Gas ausgelegt. „Das H-Gas würde die Anlagen beschädigen“, erklärt Ingo Schäfer.

Nur wenn Geräte nicht umrüstbar sind, zahlt der Kunde

Bis zur Mitte des kommenden Jahres werden in Delmenhorst noch die Geräte erhoben. Die technische Umrüstung der Anlagen soll dann 2020 stattfinden. Für die Gaskunden ist die Umstellung kostenlos, die benötigten Teile für die Umrüstung und deren Einbau zahlen die Stadtwerke. Eine Ausnahme gibt es allerdings: „In seltenen Fällen sind Geräte sehr alt oder so konzipiert, dass sie sich nicht umrüsten lassen“, sagt Ingo Schäfer. Dann müssen die Kunden tatsächlich in die eigene Tasche greifen – allerdings trifft das bei nur rund einem Prozent der Haushalte zu.

Moderne Anlagen passen sich an

Kathrin Giesecke und ihre Familie denken unabhängig von der Gasumstellung darüber nach, ihre alte Heizung durch eine neue auszutauschen. Es gibt moderne Anlagen, die nicht mehr nachgerüstet werden müssen, sondern sich sozusagen an das gelieferte Gas anpassen. Allerdings kosten diese Heizungen einige Hundert Euro mehr. „Ansonsten lässt sich auch eine neu gekaufte Anlage kurzfristig und ohne Probleme umrüsten“, so Techniker Schäfer. Er ist mit seinen Untersuchungen fertig und klebt noch ein gelbes Schildchen auf die Seite der Therme: „Gerät erhoben“ steht darauf.