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Erinnerungen von Wilhelm Schroers Zeitzeugnis einer unbeugsamen Persönlichkeit

Von Dirk Hamm | 21.04.2018, 17:40 Uhr

Der Delmenhorster Wilhelm Schroers hat unermüdlich gegen Gewalt und Unterdrückung gekämpft. Seine Lebenserinnerungen sind eindrucksvolles Zeugnis dieses Einsatzes, der einen hohen Preis forderte.

Es muss ungeheuren Mut gekostet haben, sich als Gegner der Nationalsozialisten im Dritten Reich trotz aller Repressalien nicht beugen zu lassen. Wilhelm Schroers, eine der prägenden Persönlichkeiten der Delmenhorster Sozialdemokratie nach dem Krieg, hat diesen Mut aufgebracht. Und dafür für sich und seine Familie einen hohen Preis in Kauf genommen: Zusammengenommen 26 Monate lang hat der linke Gewerkschafter und künstlerische Autodidakt in Gestapohaft, in Gefängnis und Zuchthaus sowie in verschiedenen Lagern zubringen und dabei schlimme Schikanen erdulden müssen.

Gegen Gewalt und Militarismus gekämpft

„Es ist unglaublich, was dieser Mann ertragen und auf sich genommen hat“, ist Gerd Schütte von der Unbeugsamkeit des 1981 verstorbenen Delmenhorsters, der zeitlebens für Freiheit und Demokratie sowie gegen Gewalt und Militarismus gekämpft hat, beeindruckt. Schütte ist Vorsitzender des Vereins zur Förderung der kommunalen Kriminalprävention in Delmenhorst, der ein Buchprojekt finanziert hat, in dessen Mittelpunkt Wilhelm Schroers als Zeuge der dunkelsten Epoche in der deutschen Geschichte steht: Seine in den 50er Jahren, also zeitnah, zu Papier gebrachten und jetzt auch in Buchform erschienenen Lebenserinnerungen konnten dank dieser finanziellen Unterstützung den weiterführenden Schulen in der Stadt zur Verfügung gestellt worden.

Manuskript kurz vor dem Tod übergeben

Aber nicht nur für den Schulunterricht, sondern auch für den privaten Gebrauch sind die unter die Haut gehenden Zeitzeugenberichte gewinnbringend. Sie zeigen auf, wohin in letzter Konsequenz die Unterdrückung der Freiheit Andersdenkender führen kann. Kurz vor seinem Tod habe er von Schroers das Manuskript überreicht bekommen, berichtet Heiko Honisch, der das Erinnerungsbuch zusammen mit Hans-Joachim Olczyk herausgebracht hat. Die Veröffentlichung, die bislang an zu geringem gesellschaftlichen und politischen Interesse sowie mangelnden finanziellen Möglichkeiten gescheitert sei, passe jetzt „zu 100 Prozent in diese Zeit“, ist Honisch angesichts des Aufschwungs rechter politischer Kräfte überzeugt.

„In den Klauen der Gestapo“

Im Kampf gegen diese Herausforderung liefern die schnörkellosen und detaillierten Erlebnisberichte Schroers umso effizienter Munition. Etwa wenn der Manuskriptverfasser seine Verhaftung durch die Gestapo schildert, die Ungewissheit darüber, was ihm vorgeworfen wird, die Einschüchterungsversuche seitens der vernehmenden Beamten:

„Dem Außenstehenden dürfte es schwerfallen, sich in eine solche Lage hineinzuversetzen. Einzelhaft, dazu in den Klauen der Gestapo, von deren Willkür man unterrichtet war! Man wusste nichts vom Anfang und Ende einer regulären Haft. Dieses Ungewisse musste mit der Zeit zermürbend wirken. Darauf spekulierte die Gestapo. Ihr standen unbeschränkte Gewalt und alle hieraus resultierenden Methoden zur Verfügung.“

Rund 1000 Zeichnungen hinterlassen

Als Gegner der Nazis gehörte Wilhelm Schroers zu den Persönlichkeiten, die 1945 von der britischen Besatzungsmacht in die erste Stadtvertretung berufen wurden. Von 1946 bis zur Pensionierung 1965 leitete er das städtische Kulturamt. In dieser Funktion war er Begründer der hiesigen Volkshochschule. Schroers’ eigenes künstlerisches Schaffen umfasst rund 1000 Zeichnungen, zahlreiche davon fanden Eingang in das Buch.