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Erschütterung in der Nacht dk-Redakteur erlebt Erdbeben auf Kos

Von Marco Julius und Thorsten Konkel | 21.07.2017, 12:56 Uhr

dk-Redakteur Thomas Breuer ist derzeit mit Frau und kleinem Kind auf der griechischen Urlaubsinsel Kos. Das Beben in der Nacht hat auch ihn aufgeschreckt. Auch die Ganderkeseerin Maren Wiegmann ist nach der Naturkatastrophe noch immer verängstigt.

Delmenhorst/Ganderkesee/Kos. Das Beben war in der Hotelanlage nahe der Stadt Mastichari im Noden der Insel Kos deutlich zu spüren. „Wir sind kurz nach halb 2 in der Nacht aus dem Schlaf geschreckt“, berichtet dk-Redakteur Thomas Breuer telefonisch von der Insel, auf der er mit seiner Frau Janina und dem gemeinsam kleinen Sohn Urlaub macht. „Es hat ganz schön gewackelt. Das war kein schönes Gefühl, weil man zunächst nicht wusste, was los ist“, sagt Breuer.

Hotelgäste verbringen die Nacht im Freien

Kurze Zeit später sei bereits der Hotel-Manager durch die Anlage gelaufen, habe an jede Tür geklopft und von dem Beben berichtet. Man solle nicht in Panik verfallen, wenn es aber weitere Erschütterungen gäbe, ins Freie gehen. „Wir sind auf dem Zimmer geblieben und lagen lange wach“, sagt Breuer. Klare Verhaltensregeln hätte es seitens des Hotelmanagements nicht gegeben. „Andere Gäste der Anlage haben die Nacht aber im Freien auf den Liegen am Pool verbracht, aus Angst, dass noch mehr passiert“, sagt der Familienvater. Schäden seien in der Hotelanlage aber nicht sichtbar geworden, ganz im Gegensatz zu anderen Orten auf der Insel, wo das Beben stärker gewütet hat. Am Freitagvormittag sei der Betrieb am Pool bereits wieder normal gelaufen. „Ein mulmiges Gefühl bleibt natürlich“, sagt Breuer, der sich über deutsche Online-Medien über das Beben informiert.

Ganderkeseerin noch immer in Angst

Auch der Ganderkeseerin Maren Wiegmann, die gerade mit ihrem Mann und ihrer zehnjährigen Tochter im Ferienort Kardamena im Hotel Grand Blue Beach Urlaub macht, steckt die Angst noch in den Knochen.

„Wucht wie ein durchrasender Lastzug“

„Es war so, als ob ein Lastzug direkt durchs Zimmer fährt, die Scheiben klirrten, alles vibrierte und wackelte“, beschrieb sie am Freitagvormittag das nächtliche Beben. „Und dann kam unmittelbar nach dem Vorfall auch noch die Ungewissheit, was überhaupt passiert war“, sagte sie. Denn niemand von der Hotelleitung habe den Kontakt zu den Urlaubern gesucht.

Zunächst Flugzeugabsturz befürchtet

„Wir dachten zunächst, da ist ein Flugzeug abgestürzt“, berichtete sie. Doch als die Nachbeben einsetzten, sie klar gewesen ,dass es sich um ein Erdbeben gehandelt haben muss. Informationen über die Folgen der Naturkatastrophe hat sich die Familie erst über Freunde und Telefonate verschaffen können.

Panik vermeiden

Vor Ort, so ihr Einruck, wolle man durch Nichtinformation Panik vermeiden und sei in der Hotelanlage so rasch wie möglich wieder zur Normalität zurückgekehrt.„Animateure ziehen ihr Programm durch und es gibt Wassergymnastik“, beschrieb sie die Szenerie in der Anlage am Freitagvormittag. Dabei hatte der Pool durch die enormen unterirdischen Verwerfungen zunächst geschätzte mehrere Hundert Liter Wasser verloren. „Das war beim Beben einfach so herausgeschwappt“, so Wiegmann. Ihren Urlaub will die Familie fortsetzen, auf einen Besuch in Kos-Stadt wollen die Wiegmanns aber verzichten. „Wir sind doch keine Katastrophentouristen“, betont Maren Wiegmann. Außerdem sei das viel zu gefährlich. „Bekannte saßen gestern nur Stunden zuvor genau dort, wo später durch das Beben Menschen von Steinbrocken erschlagen wurden“.