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Erst ein Vorfall in diesem Jahr Giftköder bereiten in Delmenhorst kaum Probleme

Von Eyke Swarovsky | 20.08.2015, 15:11 Uhr

Giftköder-Attacken haben nach Beobachtung von Tierschützern in Deutschland zugenommen. In Delmenhorst kann dieser Trend hingegen nicht bestätigt werden.

Die Tierrechtsorganisation Peta erfährt nach eigenen Angaben fast täglich von Anschlägen, bei denen mit Gift oder scharfen Gegenständen präparierte Köder benutzt worden seien. Opfer seien meist Hunde. Es gebe eine bundesweite Häufung der Attacken, sagte eine Sprecherin.

Erst ein Fall in Delmenhorst

Andre Wächter, Pressesprecher der Polizei in Delmenhorst, kann den Trend nicht bestätigen: „Wir hatten in Delmenhorst in diesem Jahr erst einen Fall, bei dem wir davon ausgehen, dass eventuell bewusst Hunden geschadet werden sollte.“ Das sei im April im Bereich Schluttermühlenweg gewesen. Zwei Hunde hatten die Rattengift-Köder damals gefressen. „Sie haben es überlebt, beiden Hunden geht es heute gut“, sagt Wächter.

Fall im Tiergarten nicht bestätigt

In einem anderen Fall am Tiergarten konnte nicht geklärt werden, ob wirklich Köder auslagen. Wächter: „Es wurden Zettel ausgehängt, um vor den Ködern zu warnen. Dass wirklich etwas auslag oder gefunden wurde, können wir nicht bestätigen.“ Oftmals seien es Gerüchte, die sich unter Hundehaltern schnell verbreiten. Einige besorgte Tierhalter beginnen dann schnell, prophylaktisch vor der Gefahr zu warnen, auch wenn es dafür noch keinen bestätigten Anhaltspunkt gäbe.

Nicht alle Köder sollen Hunden schaden

Ob Giftköder tatsächlich Hunden schaden sollen, sei oft schwer zu beurteilen. „Man darf nicht vergessen, dass manche Menschen auch Rattengift auslegen, um tatsächlich Ratten zu bekämpfen“, so Wächter. Anders sehe es natürlich aus, wenn Wurststückchen mit Rasierklingen oder Nägeln präpariert werden. Sollten Hunde die Köder fressen, sei der sofortige Gang zum Tierarzt Pflicht. In der Regel sei es auch sinnvoll, dem Tierarzt eine kleine Probe des Köders mitzugeben. „Halter können den Fund der Polizei gern melden“, sagt Wächter. „Am besten lassen sie den Köder jedoch am Fundort liegen, damit die Polizei die Umstände vor Ort prüfen kann.“ Für die Beamten sei es dann meist einfacher zu ermitteln, ob bewusst Hunden geschadet werden sollte.

Peta will bundesweites Meldesystem

Die Tierrechtsorganisation Peta spricht sich erneut für ein bundesweites Meldesystem aus, um die Anschläge zentral erfassen zu können. „Die Bevölkerung kann über Giftköderwarnungen und Gefahrenschwerpunkte informiert werden – und wird zugleich sensibilisiert, wie häufig Tiere Opfer von Missbrauch werden“, begründet Peta die Forderung.

Attacken zählen teilweise als Sachbeschädigung

In der Kriminalstatistik werden die Delikte als Verstöße gegen das Tierschutzgesetz erfasst, teils auch als Sachbeschädigung. Bei den Vergehen gegen den Tierschutz haben die Ermittler im vergangenen Jahr bundesweit 6719 Fälle erfasst – verglichen mit dem Jahr 2010, als 6521 Fälle registriert wurden, ist das ein Plus von gut drei Prozent. Um welche konkreten Fälle es sich dabei handelte, lässt sich aus der Kriminalstatistik jedoch nicht ableiten.

Portal im Internet informiert

Sascha Schoppengerd – Mitinitiator des privaten Internetangebots „Giftköderradar“ - befürchtet ein großes Dunkelfeld. Auf der Website können sich Hundehalter über Giftköderfunde informieren, die den Betreibern gemeldet wurden. In diesem Jahr seien schon rund 1800 Meldungen aufgenommen worden (im Vergleich zu 1277 Meldungen im gesamten vergangenen Jahr), allerdings sei nur in rund 100 Fällen eine Anzeige bei der Polizei erstattet worden. „Und genau da liegt das große Problem“, sagt Schoppengerd.

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