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Erst vor Gericht geständig Unfallfahrt in Delmenhorst kommt Frau teuer zu stehen

Von Ole Rosenbohm | 10.05.2017, 16:28 Uhr

Auf dem Hasporter Damm war nur wenig los an diesem Samstagmorgen vor rund einem Jahr, die verspätete und wohl vom Abend zuvor immer noch betrunkene 30-jährige Frau knallte mit ihrem Wagen dennoch in die hintere linke Seite eines am Straßenrand parkenden Caddys.

Obwohl von beiden Wagen Teile im hohen Bogen durch die Luft flogen, fuhr die junge Frau weiter Richtung Arbeitsstelle. Als ihr dort die von Zeugen alarmierten Polizisten den Unfall und die anschließende Flucht vorhielten, erklärte sie, den Wagen schon zuhause so vorgefunden zu haben. Auch der von den Polizeibeamten vom Unfallort mitgebrachte passende Seitenspiegel ihres Autos brachte die junge Frau nicht von ihrer Geschichte ab. Die vorgenommene Untersuchung ergab dann einen Alkoholgehalt von 1,27 Promille.

Kein Erfolg vor Gericht

Vom Delmenhorster Amtsgericht war die Frau wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs und Unfallflucht zu 70 Tagessätzen Geldstrafe und 17 Monaten Führerschein-Entzug verurteilt worden. Vor dem Landgericht Oldenburg kämpfte sie nun um eine Reduzierung der Strafe. Ohne Erfolg.

Die Angestellte hoffte, die äußeren Umstände würden das Gericht milde stimmen: Sie hätte verschlafen, führte sie an, das sei ihr noch nie passiert. Sie wusste, vor dem Geschäft warteten bereits Kunden, die der Kollege nur vertrösten konnte, denn einen Ladenschlüssel hatte nur sie. Sie war hektisch deshalb, ständig hätte das Telefon geklingelt.

Erst im Gerichtssaal geständig

An den Abend und den Alkohol dachte sie nicht mehr, nur an den heftigen Streit mit ihrem Ex-Lebensgefährten. Erst im Oldenburger Gerichtssaal war sie dann geständig: „Ich habe Fehler gemacht. Aber ich habe garantiert nicht vorsätzlich gehandelt.“

Das nahm ihr der Richter allerdings nicht ab. Spätestens beim Aufprall hätte sie doch merken müssen, dass sie noch stark alkoholisiert gewesen war, machte er deutlich.

Hohe Kosten zu tragen

Für die Angeklagte würde sprechen, nie vorher aufgefallen zu sein und erhebliche Konsequenzen tragen zu müssen: die Begleichung von über 13.000 Euro Sachschaden, dazu wohl hohe Kosten und wohl viele Schwierigkeiten bei der Neubeantragung des Führerscheins. Aber es sei Aufgabe der Gerichte, solche Geschehnisse zu ahnden, so der Richter, es hätte auch jemand zu schaden kommen können. Drastischer drückte es die Staatsanwältin aus: „Seien Sie froh, dass da kein Kind auf einem Fahrrad war, sondern nur ein blöder Caddy.“