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Tat am Winterweg in Delmenhorst Ex-Partner muss nach Tötung von Obdachloser 13 Jahre in Haft

Von Jan Eric Fiedler | 18.01.2019, 12:11 Uhr

Das Gericht ist überzeugt: Der 30-jährige Mann aus Polen hat am 4. November 2017 seine Lebensgefährtin auf dem ehemaligen Bahngelände am Winterweg in Delmenhorst mit wohl weit über 80 Hammerschlägen umgebracht. Der Angeklagte bestritt die Tat.

Schuldig des Totschlags: Das Landgericht Oldenburg hat Freitag das Urteil im Prozess um die Tötung einer 51 Jahre alten Obdachlosen auf dem Gelände des alten Delmenhorster Güterbahnhofs gesprochen. Demnach hat der 30-jährige Angeklagte seine Lebensgefährtin in einer von ihnen bewohnten, offenen Garage am frühen Morgen des 4. Novembers 2017 aus Eifersucht mit einem Hammer so heftig und häufig geschlagen, dass die Frau innerlich und äußerlich verblutete. Der Mann wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt. Weil die Tat „so grauenvoll und von Rohheit und Brutalität geprägt war“, sagte der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann, übertraf das Strafmaß den Antrag der Staatsanwaltschaft noch um ein Jahr.

Frau versuchte, sich zu wehren

Laut rechtsmedizinischen Gutachten soll der Angeklagte mindestens 80 Mal mit dem Hammer zugeschlagen haben, vielleicht auch doppelt so oft, hatte der Gutachter ausgesagt: erst gegen den Kopf, dann gegen Hüfte und Oberschenkel, also in den Bereich der Sexualorgane. Wunden an Armen bewiesen, dass sich die zur Tatzeit stark betrunkene und schmächtige Frau zu wehren versucht hatte. Ohne Chance. Bis zu zehn Minuten soll der Angeklagte auf sie eingedroschen haben. Bis wenige Tage vor der Tat hatten beide noch im einem dann geschlossenen Block im Wollepark zusammengewohnt.

Kein Geständnis, aber „Täterwissen“

Das Urteil kam kaum überraschend. Zwar beharrte der Angeklagte noch bei seinen letzten Worten vor dem Urteil, die Tat nicht begangen zu haben, doch zu viel sprach gegen ihn. Am stärksten belastete ihn ein Bekannter – ebenfalls ein Mann aus dem Milieu polnischer Obdachloser in Delmenhorst –, dem der Angeklagte die Tat gestanden haben soll. „Du trinkst mit einem Mörder“, habe er gesagt. Der Zeuge hatte an diesem Abend zudem Dinge erfahren, die nur ein Täter wissen konnte, fanden Staatsanwaltschaft und Gericht: etwa, dass die 51-Jährige erschlagen und nicht erstochen wurde.

Anwalt will Revision einlegen

Der Delmenhorster Anwalt Axel Heinken hatte bis zum Schluss für seinen fünf Prozesstage fast komplett schweigenden Mandanten gekämpft, zog in Zweifel, dass der Zeuge im Suff alles richtig verstanden hatte. Sein Mandant könne gesagt haben, „die ermitteln gegen mich, du trinkst mit einem Mörder“. Und am Tatort habe der Angeklagte selbst den blutbefleckten Hammer neben der Leiche gesehen. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch und hilfsweise – für den Fall eines Schuldspruchs – auf Körperverletzung, da der Täter nicht zwingend habe wissen können, dass die bis zu einer halben Stunde mit dem Tod ringende Frau tatsächlich an ihren Verletzungen starb. Der Anwalt wird – nicht ungewöhnlich bei Urteilen dieser Größenordnung – Revision einlegen.

Zögern und Gleichgültigkeit sprechen gegen Angeklagten

Das Gericht ließ sich von den Zweifeln nicht anstecken. Jedes einzelne Puzzleteil alleine betrachtet, sagte Bührmann, ergebe noch kein Bild, alle zusammengefügt allerdings hätten Aussagekraft. Darunter die Eifersucht des Angeklagten. Sein vielleicht stundenlanges Zögern, die Polizei zu informieren – persönlich, nicht per Telefon. Sein fast gleichgültig wirkendes Verhalten mit der Polizei am Tatort und auch im Gerichtssaal, als der Rechtsmediziner die blutigen Details schilderte. Und bei 80 mit voller Wucht ausgeführten Hammerschlägen, sagte Bührmann, wird kein vernünftiger Mensch glauben, dass ein Opfer überleben könne. Die Rohheit dieser Tat mache fassungslos.