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Ex-Soldaten aus Delmenhorst Schuldspruch nach sexuellen Übergriffen in Kaserne

Von Alexander Schnackenburg | 21.01.2016, 14:22 Uhr

Das Landgericht Oldenburg hat zwei ehemalige Soldaten der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne wegen „versuchter sexueller Nötigung und versuchten schweren sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Person“ verurteilt.

Von einer „Vergewaltigung“ ist nicht mehr die Rede. Wohl aber hat das Landgericht Oldenburg am Donnerstag zwei ehemalige Soldaten der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne wegen „versuchter sexueller Nötigung und versuchten schweren sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Person“ zu Jugendeinheitsstrafen von 14, beziehungsweise zehn Monaten auf Bewährung verurteilt.

Die Kammer sieht als erwiesen an, dass sich die 23- und 22-jährigen Männer im Januar 2013 gemeinsam an einer Kameradin vergangen haben, nachdem diese sie am Ende eines gemeinsamen Abends im Mannschaftsheim zu sich aufs Zimmer eingeladen hatte. Die Soldatin wollte einen Film mit den Kameraden gucken, sah sich aber bald sexuellen Handlungen der Männer ausgesetzt – die allenfalls anfänglich einvernehmlich vollzogen worden seien, wie das Landgericht gestern klarstellte.

„Ping-Pong-Verfahren“

Mit ihrem Schuldspruch hat die Kammer, wie sich Richter Christian Weigmann ausdrückte, ein wahres „Ping-Pong-Verfahren“ abgeschlossen. Angefangen hatte alles im Dezember 2013 mit einer Verurteilung der Angeklagten durch das Amtsgericht Delmenhorst: zu 20-, beziehungsweise 14-monatigen Freiheitsstrafen auf Bewährung wegen einer „gemeinschaftlich begangenen Vergewaltigung“. Gegen dieses Urteil legten die Kameraden Berufung ein und erwirkten im Juni 2014 vor dem Landgericht Oldenburg zunächst einen Freispruch. Doch auch dieses Urteil blieb nicht lang bestehen. Staatsanwaltschaft und Nebenklage gingen in Revision, und das Oberlandesgericht hob den Freispruch im Februar 2015 wieder auf. Somit musste eine andere Kammer des Landgerichts das Berufungsverfahren jetzt neu verhandeln.

Kammer wendet Jugendstrafrecht an

Anders als das Amtsgericht Delmenhorst wandte die Kammer dabei das Jugendstrafrecht an, da die Richter bei beiden Angeklagten „Entwicklungsverzögerungen“ erkannt hätten, so Weigmann in der Urteilsbegründung. Als strafschärfend habe die Kammer die „Zwei-zu-eins-Situation“ auf dem Zimmer der Geschädigten gewertet.