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Experte klärt Lehrer auf Delmenhorster Polizei warnt vor Islamismus an Schulen

Von Michael Korn | 01.05.2016, 17:41 Uhr

„Umgang mit Islamismus im Kontext Schule“ hieß etwas umständlich eine Infoveranstaltung der Polizei Delmenhorst für Lehrer. Im Kern ging es darum, vor den Gefahren durch extremistische Islamismus-Propaganda im Schul-Umfeld aufzuklären und Hilfestellung für ein rechtzeitiges Eingreifen zu geben.

Auf die Radikalisierungsgefahren junger Menschen durch Islamismus und Salafismus hat die Polizei Delmenhorst jetzt Lehrer und mit der Jugendarbeit Betraute sensibilisiert. Rund 110 Interessierte nahmen laut Pressemitteilung an einer Informationsveranstaltung zum „Umgang mit Islamisums im Kontext Schule“ teilgenommen. Kinder und Jugendliche stünden im Fokus islamistisch-extremistischer Organisationen , wenn es um die Verbreitung ihrer Botschaften geht. Die Schülerinnen und Schüler aller Schulformen könnten mit verschiedensten Formen von Propaganda radikal-islamistischer Gruppierungen und teilweise demokratiefeindlichen oder gewaltlegitimierenden Aussagen konfrontiert werden - insbesondere wenn sie sich im Internet bewegen.

Chancen für Prävention

Zu den Fragen „Wie gehe ich als Lehrer mit solchen Phänomenen um? Welche Chancen hat ein Lehrer präventiv zu wirken ohne Islamfeindlichkeit zu fördern?“ hat die Niedersächsische Landesschulbehörde gemeinsam mit der Präventionsstelle Politisch Motivierte Kriminalität (PPMK) des Landeskriminalamtes und der Polizeidirektion Oldenburg Informationsveranstaltungen für Lehrerinnen und Lehrer entwickelt. Aus dem Bereich der Polizeiinspektion Delmenhorst/ Oldenburg-Land/ Wesermarsch sind kürzlich rund 24 Lehrerinnen und Lehrer der Einladung der Landesschulbehörde und der Polizeiinspektion nach Delmenhorst gefolgt. Ferner haben interessierte Menschen, die im beruflichen Alltag mit jungen Menschen arbeiten oder sich für die Integration geflüchteter Menschen engagieren, die Informationsveranstaltung mit großem Interesse besucht.

Kein Islamismus ohne Islam

Rund 110 Teilnehmer folgten den Worten eines Islamwissenschaftlers des Landeskriminalamtes: Dieser entzauberte laut der Mitteilung zunächst die Worte Islamismus und Salafismus und stellte dar, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt. Dabei habe er deutlich gemacht, dass es keinen Islamismus ohne Islam gebe, aber Islam ohne Islamismus. Der Vortrag zielte vor allem auf das Vermitteln von praxisorientierten Inhalten, die Handlungssicherheit bei der frühzeitigen Erkennung von Radikalisierungen vermitteln sollten. Der Islamwissenschaftler betonte, „Radikalisierung sei immer ein Prozess, nie ein Ereignis. Zudem wurde den Lehrkräften das Medienpaket „Mitreden! Kompetent gegen Islamfeindlichkeit, Islamismus und dschihadistische Internetpropaganda“ vorgestellt, das als Projekt des PPMK für die pädagogische Arbeit im schulischen Bereich entwickelt wurde. Die Beratungsstelle zur Prävention neo-salafistischer Radikalisierung „beRaten“ berät betroffene junge Menschen und deren Angehörige. Auch andere Menschen im Umfeld der von Radikalisierung betroffenen Jugendlichen oder Heranwachsenden, Lehrkräfte sowie Sozialarbeiter erhalten Unterstützung. Weitergehend leistet der Verein Präventionsarbeit, informiert und stellt Bildungsangebote zur Verfügung.

Kommunikationsfalle der Islamisten

Der Islamwissenschaftler resümierte: „Keinesfalls dürfen Islam und Islamismus gleichgesetzt werden. Damit tappt man nämlich in eine von Islamisten selbst aufgestellte Kommunikationsfalle, da die Folge wäre, dass der Islam in seiner komplexen Gesamtheit als Feindbild betrachtet werden würde. Das wäre nicht nur falsch, sondern würde nur den Islamisten in die Hände spielen, die so gerne vom Hass des Westens auf den Islam sprechen und eben dieses selbst propagierte Feindbild mit ihren Taten in unsere Gedanken zu projizieren versuchen.“