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Familienzentrum Villa richtet Rollenspiel aus Kampfgebrüll auf der Delmenhorster Burginsel

Von Frederik Grabbe | 11.07.2016, 08:17 Uhr

Schlachtformationen, Kampfgebrüll, Schätze: Reichlich Fantasie war am Sonntag auf der Burginsel gefragt. Dort richtete das Familienzentrum Villa ein Live-Rollenspiel aus.

Später Sonntagnachmittag auf der Delmenhorster Burginsel, die Sonne brennt, das Thermometer zeigt 25 Grad an. Volker Behrmann trägt ein Kettenhemd, einen Waffenrock und einen Fuchspelz um die Schulter – und kommt gerade schwer atmend aus dem Schlachtgetümmel. Behrmann dürfte wohl selten zuvor in seinem Leben so geschwitzt haben. Was ist passiert?

Schlachtformationen, Kampfgebrüll, das Böse bekämpfen

Behrmann ist mit seinen zwei Söhnen Mathis (12) und Joost (8), die wie die anderen Teilnehmer weniger aufwendig gekleidet sind, Teil eines Rollenspiels, zu der das Familienzentrum Villa auf der Burginsel eingeladen hat. Rund 20 Kinder und Eltern bilden gemeinsam Schlachtformationen, stoßen Kampfgebrüll aus, formulieren Zaubersprüche und bekämpfen das Böse auf die spielerische Weise. (Weiterlesen: Delmenhorster Jugendhäuser starten in die Ferien)

Auf der Suche nach einem Schatz

„Die Spieler sind in Krieger, Magier und Heiler unterteilt“, erklärt Mario Berger-Naujoks, Mitarbeiter des Familienzentrums . Zusammen mit ihrem Lagerleiter spielen sie eine bestimmte Handlung nach, die sie immer wieder aufs neue mit Abenteuern konfrontiert. Der Inhalt: Die Heldengruppe weiß von einem Schatz in einer Höhle auf der Burginsel, und will ihn, wie es sich für Helden selbstredend gehört, auch heben. In die Höhle zu gelangen ist aber gar nicht so einfach, denn es gibt viele Rätsel zu lösen. Und da ist auch noch die Schwarze Meute, eine Gruppe aus Gegenspielern, die versucht, den Helden den Schatz abzujagen. Und so führt die Reise etwa in ein Labyrinth (mit Planen nachgebaut), zu einem geheimnisvollen Altar oder zu einem magischen Obelisken (aus Schaumstoff nachgebaut). Ab und an müssen Kämpfe bestritten werden, um den Weg frei zu machen. Hierbei achten sogenannte Spielleiter auf die Einhaltung der Regeln.

Ein festes Regelwerk gilt

Denn diese wollen in der Fantasiewelt beachtet werden. So hat jeder Spieler, oder auch jedes Monster, eine gewisse Anzahl an Lebenspunkten. Sind zum Beispiel diese durch Treffer im Kampf verloren, muss sich flach auf den Rasen gelegt werden – zumindest, bis der Heiler kommt. Dann geht die Knüppelei von vorne los. Gekämpft wird mit Schaumstoffschwertern, „blaue Flecken sind nicht ausgeschlossen, Kampfsport oder Fußball ist im Zweifel aber gefährlicher“, sagt Naujoks dazu.

Weg vom PC, weg vom Fernseher

Ohnehin gehe es nicht ums „Kämpfen“, sondern um das Ausspielen der eigenen Fantasie innerhalb eines festen Regelwerks und insbesondere um den Spaß dabei. Dem pflichtet Björn Lubetzki bei. Er ist einer der Organisatoren der Drachenhöhle in Twistringen, die mit ihren Mitarbeitern solche Rollenspiele, auch LARB genannt (Life Action Role Playing), für Ferienfreizeiten anbietet. „Einen pädagogischen Anspruch verfolgen wir nicht. Uns geht es darum, Kinder ins Freie und Weg vom PC oder Fernseher zu bringen.“

Bis zu 35 Kilo schwere Rüstungen

Seine Schausteller tragen teilweise Rüstungen, die bis zu 35 Kilo schwer sind, um den Hauch Authentizität zu bieten. Und, wenn sie Monster mimen, kommt noch ein schwarzer Umhang um die Schulter und eine Gummimaske übers Haupt. In dieser Kluft wird den Helden dann Contra geboten.

„Das Wichtigste ist, dass die Kinder Spaß haben“

Dass dieses Spielsystem Spaß macht, ist an allen Gesichter abzulesen. Erwachsene sind mit gleichem Eifer dabei, wie die Kinder. „Endlich darf ich Waffen mal benutzen und nicht nur mit mir rumtragen“, sagt der abgekämpfte Vater Volker Behrmann lachend. Bis vor Kurzem war er Mitglied einer mittelalterlichen Bogensportgruppe, daher rührt auch seine Kluft, hier aber kann er die Waffe gegen einen Gegner schwingen. „Man muss sich schon auf das Regelwerk einlassen und im Grunde ist es learning by doing. Das Wichtigste ist aber, dass die Kinder Spaß haben“, sagt Behrmann – und stapft mit seinen Söhnen in die nächste Schlacht.