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Fasten in Schulen Ramadan in Delmenhorst: Nur, wer körperlich fit ist

Von Bettina Dogs-Prößler | 08.06.2018, 10:29 Uhr

Im Ramadan üben sich Muslime 30 Tage in Enthaltung und verzichten tagsüber auf Essen und Trinken. Auch Kinder in Delmenhorst folgen teilweise dem Brauch – obwohl sie es nicht müssten.

Noch eine Woche, dann ist der Fastenmonat Ramadan vorbei. Weltweit verzichten gläubige Muslime in dieser Zeit von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken. Obwohl Kinder im Grundschulalter von der Pflicht zum Verzicht ausgenommen sind, üben sich auch Delmenhorster Jungen und Mädchen tagsüber in Enthaltung. Was von Kinderärzten und Lehrern kritisiert wird.

Keine Probleme durch das Fasten

„Die Tatsache allein, dass ein Kind während des Ramadan fastet, stellt aus Sicht des Sozialen Dienstes noch keine Kindeswohlgefährdung da“, sagt Stadtsprecher Timo Frers. Darüber hinaus seien keine Fälle bekannt, bei denen es in Delmenhorst zu Problemen bezüglich des Fastens gekommen sei.

Überall gestattet

Das gleiche Bild zeichnet die Landesschulbehörde. „Uns sind keine Auffälligkeiten hinsichtlich des Fastenmonats bekannt“, sagt Sprecherin Bianca Schöneich. „Unseres Wissens läuft es relativ gut an den Schulen.“ Im Rahmen der Religionsausübung werde das Fasten auch überall gestattet.

Ärzte warnen vor Folgen für Kinder

Der Verband der Kinder- und Jugendärzte wie auch der Verband Bildung und Erziehung sehen die Teilnahme von Grundschülern am Ramadan jedoch kritisch. „Über eine so lange Zeit keine Nahrung und Getränke zu sich zu nehmen, kann das körperliche Wohlbefinden, die Konzentrationsfähigkeit und somit die schulischen Leistungen beeinträchtigen“, sagt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung. „Das Gebot zu fasten schädigt die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, weil Kinder weniger als Erwachsene ihren Flüssigkeitsbedarf in den Nachtstunden auffüllen können“, warnt Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte.

Ausnahmen üblich

„Kinder brauchen gar nicht zu fasten“, schildert Dr. Yavuz Özoguz, Vorsitzender des Vereins Islamischer Weg. „Allerdings gibt es viele, die es möchten, weil sie gerne dabei sein wollen.“ Grundsätzlich dürften nur körperlich Fitte fasten. „Kranke, Alte, Schwangere, Stillende und Kinder sind von dem Gebot ausgenommen“, so Özoguz. Die Delmenhorster Grundschulen stehen dem offen gegenüber. „Auch wenn es im Kollegium wegen der gesundheitlichen Aspekte Kontroversen dazu gibt“, sagt die Leiterin einer Schule mit einem hohen Anteil an muslimischen Schülern, „wir haben noch keinem Kind verboten zu fasten.“