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Feier rund um die Abrissbirne Abschied vom Altbau im Delmenhorster Gut Dauelsberg

Von Kai Hasse | 20.10.2017, 19:11 Uhr

Das Gut Dauelsberg feiert Erntedank – und nimmt gleichzeitig Abschied von einem Bau, der über 130 Jahre das Gut prägte. Der Abriss schafft Platz für insgesamt drei neue Gebäude. Zum Fest wurde die Geschichte auch mit einem Theaterstück rekapituliert.

Das Gut Dauelsberg hat Erntedank gefeiert. Oder in diesem Jahr: „Abrissbirnenfest“. Da verbinden sich Baumfrucht und die architektonische Zerstörung – denn gleichzeitig nimmt das Gut Dauelsberg von einem dominierenden Altbau des Komplexes Abschied. Es soll abgerissen und durch zwei neue Bauten ersetzt werden.

„Nicht einfach so abreißen“

Der Bau fand schon Erwähnung im Eingangsgottesdienst. „Wir sind nicht nur eine Heimat für Heimatlose, sondern auch ein Ort für den Neustart“, sagte Einrichtungsleiter Helmuth Blauth während der Andacht. Damit nahm er dann auch Bezug auf den Neubau und das alte „Leutehaus“. „Man kann dem Gebäude dankbar sein, weshalb wir es auch nicht einfach so abreißen“, meinte er. Stattdessen wolle man sich würdig verabschieden.

Blick in die Glaskugel

Viele Menschen waren zu dem Fest gekommen, Bewohner und Gäste schlenderten über das Gut, kosteten Kuchen und Braten und besuchten unter anderem den Schweinestall und die große Festscheune, in der die gutseigene Band „Hobbyraum“ spielte. Die Mitglieder der Gruppe stellten auch die Entwicklung um das alte Gebäude, das abgerissen werden soll, mit üppiger satirischer Überzeichnung nach: Querelen um die Bausicherheit, den benötigten Fahrstuhl, mögliche Renovierungskosten, nervigen Behördenkram, den Architektenwettbewerb, den und schließlich den Bau selbst. Und sie genehmigten sich einen Blick in die Glaskugel zu den Nachrichten des Jahres 2020. Aufmacher: Die drei neuen Gebäude, die den alten, wuchtigen Bau ersetzen werden, haben einen Wettbewerb gewonnen, und ihre Namen sind Eugen-Blauth-Haus, Otto-Blauth-Haus und (das größte) Helmut-Blauth-Haus. Die drei Namen sind die der drei bisherigen Leiter der Einrichtung, die Menschen ohne Wohnung, mit seelischen Behinderungen oder mit Pflegebedarf ein Obdach gibt. Der Träger ist der Bezirksverband Oldenburg.

15 weitere Wohnplätze entstehen

Eines der drei neuen Häuser steht bereits neben dem alten Haus, das gegen 1886 gebaut wurde und nun dem Abriss geweiht ist. Wenn es abgerissen ist, werden an selber Stelle die beiden weiteren Häuser entstehen, berichtet Blauth. Durch die Neubauten und eine Erweiterung des Pflegebereiches werden dann insgesamt 15 weitere Wohnplätze zusätzlich zu den bisher knapp 100 Plätzen geschaffen. Insgesamt werden 4,5 Millionen Euro investiert.