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Feierstunde im Rathaus Chanukka-Fest als Zeichen der Toleranz in Delmenhorst

Von Marco Julius | 27.12.2016, 18:15 Uhr

Das jüdische Lichterfest ist am Dienstag im Rathaus Delmenhorst zelebriert worden. Oberbürgermeister Axel Jahnz sieht darin ein wichtiges Zeichen der Religionsfreiheit.

Es ist längst guter Brauch in der Stadt, dass zum jüdischen Chanukka-Fest im Rathaus Kerzen am Chanukka-Leuchter entzündet werden. Rabbiner Tobias Jona Simon und Pedro Benjamin Becerra, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst, übernahmen die Zeremonie gemeinsam mit Oberbürgermeister Axel Jahnz. Dabei „vermehrten“ sie das Licht durch Entzünden der Kerzen an kleinen Leuchtern – und auch am großen elektrischen Chanukka-Leuchter, der seit Mai 2009 als Zeichen der Verbundenheit zwischen der Stadt und der jüdischen Gemeinde im Rathaus steht, und der von Schülern der Kerschensteiner-Schule hergestellt wurde, leuchtet jetzt traditionsgemäß die vierte Kerze.

„Hohes Gut der Religionsfreiheit“

Rabbiner Simon nutzte seine kleine Ansprache vor rund 30 Teilnehmern für eine Anekdote, die klarmachte, „welch hohes Gut die Religionsfreiheit ist“. Und er betonte: „Wenn man mit einer Kerze weitere Kerzen entzündet, wird das Licht der ersten Kerze nicht schwächer.“ Ein Zeichen, gerade in der dunklen Jahreszeit.

Oberbürgermeister Axel Jahnz betonte, es sei eine große Ehre für ihn, beim Entzünden des Leuchters dabei zu sein. Auch er machte deutlich, wie wichtig ihm die Religionsfreiheit und das friedliche Miteinander verschiedener Religionen und Kulturen in der Stadt sind: „Im Glauben liegt Toleranz. Wir fühlen uns mit der Jüdischen Gemeinde freundschaftlich verbunden.“

2017 Feier des 20. Jahrestag der Wiedergründung

Becerra kündigte unterdessen an, dass am 27. August 2017 der 20. Jahrestag der Wiedergründung der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst gefeiert werden soll. Bereits in den Monaten zuvor werde es Veranstaltungen geben, die über das Leben und Bräuche der Gemeinde informieren.

Die Tradition des Festes, das in Teilen parallel zur christlichen Weihnachtszeit gefeiert wird, ist sehr alt. Chanukka bedeutet „Weihung“ und erinnert an die Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels im Jahr 165 vor Christus. Entweiht wurde der Tempel während der Zeit der Judenverfolgung unter Antiochus IV. Epiphanes, zurückerobert wurde er durch Judas Makkabäus. Laut jüdischer Legende, an die auch der Rabbiner erinnerte, war im Tempel nur ein kleiner Krug mit wenig Öl erhalten geblieben. Dennoch reichte dieses wenige Öl auf wundersame Weise für acht Tage. Deswegen wird diese Begebenheit auch das „Lichtwunder“ genannt.

Langlebige Tradition

Die Kerzen werden stets in einer bestimmten Reihenfolge angezündet. Zuerst kommt die in der Mitte: Schamasch wird sie im Hebräischen genannt, was so viel wie das „dienende Licht“ heißt. Sie symbolisiert den Menschen. An dieser ersten Kerze werden dann die weiteren Lichter entzündet, zuerst das am rechten Rand des Leuchters, der Chanukkia. Wenn die letzte Kerze entzündet ist, werden Chanukka-Lieder gesungen, Kinder beschenkt sowie Krapfen und Pfannkuchen gegessen – und das nicht nur in Delmenhorst.